Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 163)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 163 - fragte: „Ich war Augenzeuge, wie man mit großen Zangen, mit denen man die Eisenblöcke nimimt, um sie in einen Hochofen hineinzuwerfen, einen Menschen genommen und in einen Hochofen hineingeworfen hat. Seitdem ich das Bild vor Augen habe, muß ich weit weg von dem Ort, wo ich es gesehen habe, denn ich fürchte, ich werde wahnsinnig!" Diese Motive der Auswanderung waren nicht maßgebend in den neunzehn Jahrhunderten zuvor; die kommen erst im zwanzigsten. Das sind nicht Motive ökonomischer, nicht politischer, auch nicht religiöser Natur, es ist die feste Ueberzeugung, daß man nicht mehr so leben kann, daß es weiter nicht so geht, und daß man irgendwohin aus dem brennenden Hause sich flüchten muß, um irgendwo anders zu sein. Das ist, meine Damen und Herren, die Charakteristik der jetzigen Emigration, und das drückt sich' in den statistischen Ziffern aus. Keine einzige Emigration gibt einen solchen Prozentsatz von Frauen und Kindern, wie die jüdische. Zwischen 2 und 17 Prozent bei den anderen Nationalitäten — nur bei holländischen Kolonisten bis zu 17 Prozent —: bei den Juden schwankt er zwischen 24 und 26 Prozent. Das ist nicht eine Auswanderung, wie zum Beispiel bei den Chinesen, wo von 4 800 000, die auswandern, 4 Millionen zurückkehren, oder wie bei den Italienern, wo der größte Teil der Leute zurückkommt, sondern wir gehen betapeinu u-benascheinu, binoreinu uwiskeneinu, wir gehen mit Weib und Kind, um nicht mehr zurückzukommen. Und dementsprechend muß man die Auswanderung auch organisieren. Der Beweis, daß sehr wenige von Amerika zurückkehren, kann nicht direkt statistisch erbracht werden, weil wir darüber überhaupt keine Statistik besitzen. Aber wohl gibt es ein sehr gutes Kriterium dafür. Es gibt nämlich eine Statistik der Reemigranten, der Leute, die schon einmal nach Amerika ausgewandert waren, dann zurückgekehrt und nun wieder nach Amerika gekommen sind. Was zeigt uns nun diese Statistik? Während der Prozentsatz im allgemeinen zwischen 18 <y0, 15 <y0 und 10 o/o schwankt, macht er bei den Juden 2 o/o und 4 o/o aus, also etwa den fünften Teil der übrigen Emigranten, woraus eben hervorgeht, daß die Juden sehr wenig zurückwandern. Selbst in dem allerkritischsten Jahre für Amerika, im Jahre 1908, wo so viele Auswanderer aus Amerika zurückkehrten, sind die jüdischen Auswanderer dort geblieben, weil sie dort bleiben müssen. Nun werde ich mir gestatten, noch ein wenig bei den Berufen und Tätigkeitsarten der Juden zu verweilen. Wie Sie aus den Zahlen lesen, die sich auf Seite 2 des Berichtes befinden, liefern unsere Auswanderer etwa dreißig bis vierzig Prozent Handwerker, lauter gelernte Arbeiter, und diese bilden 680/0 aller Berufe. Einen solchen Prozentsatz hat kein einziges Volk unter seinen Auswanderern aufzuweisen. Ein Drittel der jüdischen 11*