Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 162)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 162 - der alte Ahasver, der den Stab in die Hand nimmt und geht, bis er wieder ein gastlicheres Haus findet. In der Frage der Emigration haben wir wenig Material; sie ist wenig studiert worden. Manche wollten Vogelstraußpolitik treiben; man solle so wenig als möglich darüber sprechen; das ist ein Kapitalfehler. Eine Bewegung, die hunderttausende unserer Brüder mit sich nimmt, kann man nicht verschweigen, mag man über Nutzen und Schaden dieser Bewegung auch sonst streiten. Den Luxus des Streites darüber dürfen wir übrigens uns auch nicht gestatten. Es hat auch gar keinen Zwedk, bei so gewaltigen, bei so elementaren Erscheinungen, wie es die Emigration ist. Für uns Zionisten existiert diese Frage schon bestimmt nicht. Für uns gibt es nur eine Emigration, und das war die unglücklichste aller Auswanderungen, das war die Auswanderung aus Palästina. (Beifall.) Für uns gibt es aiuch nur eine Lösung, die das Glüdc des jüdischen Volkes sein wird, und das ist die Auswanderung nach Palästina. (Beifall.) Alles andere ist Flickwerk, ist nur Arbeit für die Gegenwart; aber wir sind verpflichtet, diese Frage eingehend zu behandeln und zu studieren. Ganz kurz will ich1 versuchen, über diese Fragen einige Details zu geben, vor allem über die Motive der jetzigen Emigration. In der Regel und hauptsächlich sind die Beweggründe der Auswanderungen ökonomischer Natur, und faktisch bemerken wir fast bei jeder Emigration, daß die Grundlage derselben materielle Verhältnisse bilden. Ein Blick auf die angeführten Zahlen zeigt, daß das bei der jüdischen Emigration nicht zutrifft. Die Zahlen gruppieren sich1 hauptsächlich1 um die Zeit der Ausweisungen aus Moskau, um Kischinew, aber noch unendlich größer 1906/07, und gerade da waren die ökonomischen Verhältnise in Amerika sehr schlecht. 1908 war die Zähl der Rückwanderer aus Amerika sonst viel größer als die der Einwandernden; trotzdem hat die Einwanderung der Juden nicht nachgelassen. Das beweist, daß die Emigration der Juden ganz andere Grundlagen haben muß als nur ökonomische Und nun wollen wir uns ein wenig in diese Materie vertiefen. Nach Seneca gibt es drei Arten von Emigrationen: politischer, persönlicher und ökonomischer Natur. Im Laufe der Jahrhunderte ist diese Liste noch bereichert worden. Inzwischen haben wir die religiöse Auswanderung gesehen, wie die unserer Brüder aus Spanien, die nationale, wie die der Iren aus Großbritannien, die politische, wie die der Buren in Afrika, aber wieder war es dem jüdischen Volke, das schon so viele originelle Dinge in die Welt gebracht hat, vorbehalten, eine neue Art von Auswanderung zu bringen. Eine kleine Geschichte von einem Auswanderer aus Jusephka in der Näht von Ekaterinosiaw wird Ihnen das illustrieren. Es war ein ziemlich' wohlhabender Mann, der nach Amerika auswanderte. JEr sagte mir, als ich ihn nach der Ursache seiner Auswanderung