Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 160)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 160 - überbracht hat. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Bei dieser Gelegenheit hat sich ein kleines Mißverständnis begeben, das die Herren von der Abordnung, die mit der Ueberreichüng der Fahne beauftragt war, mit Recht verstimmt hat. Dieses Mißverständnis hat sich inzwischen, wie ich annehmen darf, zur allgemeinen Zufriedenheit aufgeklärt, und ich drücke dem Verein und seiner Abordnung den Dank des Kongresses für sein sinnreiches Angebinde aus. (Erneuter lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich erteile nunmehr das Wort dem Herrn Sekretär zur Mitteilung der hervorragenderen Stücke des Einlaufes. Sekretär Dr. Rosenblüth: Ich will aus dem Einlauf nur das Telegramm einer Anzahl von christlichen Bürgern der Stadt Genf hervorheben; unterfertigt ist es von Pastor D a r d i e r. (Beifall.) Del. Dr. Samuel Daiches: Geehrter Kongreß: Aus dem Berichte über meinen Antrag auf Decharge, Seite 821 der Nr. 3 der „Welt", scheint der Eindruck gewonnen zu werden, als ob ich bei meinem Antrage auf Decharge irgendeinen Hintergedanken gehabt hätte. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die nicht sehr geschmackvollen Worte des Herrn Dr. Osias Thon über meinen „nicht sehr geschmackvollen Antrag". Ich stelle fest, daß mein Antrag ein vollständiger Antrag auf Dechargeerteilung war. Nur da der Kongreß aufgeregt und die Stimmung etwas unruhig war, habe ich es vorgezogen, mich kurz zu fassen, aber es war ein vollständiger, ernster Antrag auf Decharge, der 'sehr gut hätte angenommen werden können. Präsident Dr. Nordau: Es ist beschlußweise festgesetzt worden, daß auf die Tagesordnung der heutigen Vormittagssitzung das Organisationsstatut kommt. Nach Rücksprache mit den Kollegen vom Präsidium sind wir zur Feststellung gelangt, daß dieser Punkt nützlich erst heute nachmittag zur Beratung gestellt werden kann, weil der Permanenzausschuß noch nicht schlüssig geworden ist und weil überhaupt die ganze Frage noch nicht diskussionsreif ist. Das Präsidium hat deshalb beschlossen, Sie zu bitten, da es sich um einen Beschluß handelt, den der Kongreß gefaßt ihat und den nur der Kongreß wieder aufheben und ändern kann, zu gestatten, daß wir jetzt statt des Organisationsstatutes die Emigrationsfrage auf die Tagesordnung setzen. * Wer für diese Aenderung ist, wolle die Hand erheben. (Geschieht.) Angenommen. Ich erteile nun Herrn Dr. Katzenelsohn das Wort zur Emigrationsfrage. Berichterstatter Del. Dr. Katzenelsohn: Hoher Kongreß! Zum ersten Male soll hien vor dieser Tribüne die wichtigste und brennendste jüdische Frage der Gegenwart, die Emigrationsfrage besprochen werden. Wenn ich diese wichtige Aufgabe übernommen habe, so tue ich es nicht, weil ich besondere Verdienste oder besondere Kenntnisse in der Frage habe, sondern lediglich, weil ani hagewer rooh oni weil ich dieses ganze Leid, diese ganze Not mit eigenen Augen gesehen habe, weil an meinen Augen Tausende, Zehntausende, wenn nicht gar Hunderttausende jüdischer Auswanderer vorübergegangen sind, deren Leid und Not und deren Martyrium ich selbst miterlebt habe. Ich habe selbst diesen Staub eines Volkes herumwirbeln gesehen, vom Wind hin- und hergetragen; das allein