Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 159)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476274--3704-3479846- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
IV. Tag Sonntag, den 13. August 1911 VORMITTAGS-SITZUNG Beginn: 10 Uhr 15 Minuten. Präsident Dr. Nordau: Die Sitzung ist eröffnet. Ich habe dem geehrten Kongreß zunächst eine tiefbetrübende Mitteilung zu machen, deren Bedeutung eigentlich' über den Rahmen des Kongresses hinausgeht. Wir haben heute die Nachricht erhalten, daß der große Maler Josef Israels gestorben ist. (Das Haus erhebt sich.) Josef Israelis war ein großer Künstler, einer der hervorragendsten in der zeitgenössischen Malerei. Sein Verlust ist ein solcher, der die gesamte gesittete Menschheit trifft. Um ihn müssen alle die trauern, für die die Kunst und ihre Träger tiefere Bedeutung haben. Uns aber geht naturgemäß dieser Verlust noch ganz besonders nahe. Denn Josef Israels war nicht nur das Haupt der holländischen Malerschule, das, an ruhmreiche Ueberlieferungen anknüpfend, sie ruhmreich weitergeführt hat. Er war auCh ein jüdisches Künstlertemperament, ob er sich dessen bewußt war oder nicht. Wir finden in seinen Gemälden die Intensität des Gefühles, die Energie des Ausdrucks, die hohe sittliche Weihe, den emotionellen Gemütsanteil, die wir als Eigentümlichkeiten der höher gezüchteten Exemplare unserer Rasse ansprechen. Joseph Israels war uns ein leuchtendes verkörpertes Paradigma dessen, was wir auch auf diesem Gebiete unter günstigen Umständen nicht nur uns, sondern auch der Menschheit zu bieten haben werden. Josef Israels braucht nicht darum zu sorgen, daß sein Andenken lebendig bleibt. Die Kunstgeschichte wird sich seiner immer erinnern. Wir aber werden dies doppelt tun und seinem Andenken Dank weihen, als dem Andenken eines Mannes, der in düstern Zeiten uns über das Weiterblühlen unserer Eigenschaften und über unsere Kulturzukunft beruhigt hat. Ehre seinem Andenken! Wenn Sie auf kleine Veränderungen des Kongreßsaales aufmerksam sind, wird Ihnen nicht entgangen sein, daß neben unserer Fahne unter dem Bildnis Theodor Herzls heute eine neue Fahne figuriert. Sie ist eine Gabe des St Gallener Vereins Ahavat Zion,- der diese Fahne uns gestiftet und durch eine Abordnung feierlich