Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 149)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 149 - von dem lebendigen, entwicklungsfähigen Zionismus sprecht. Es ist wahr, wenn keine Ordnung in unseren Institutionen herrschen würde, gehen unsere Institute bankerott, aber nicht wir. Es ist wahr, und das sollt Ihr der ganzen Welt sagen, daß wir nicht ein Vermögen von acht Millionen haben, sondern wir haben ein viel größeres Vermögen, denn wir haben den zionistischen Gedanken. (Stürmischer, langandauernder Beifall und Händeklatschen.) Das ist das eine Moment. Es ist eine kleine und schwache Erwiderung auf die Stimmung, die hineingetragen wurde. Beinahe könnte man weinen und sich fragen: Ist das der Zionismus? Nun Gott sei Dank, es kommt wieder etwas Neues. Nun haben wir noch ein schönes. Moment im Zionismus, noch schöner möchte ich sagen als der Gedanke. Das Kind ist schöner als die abstrakte Idee von den Menschen. Denn das Kind hat noch die Entwicklungsfähigkeiten in sich und ein zionistisches Kind hat bereits unsere Idee geboren. Das ist der neue Jischuw in Palästina. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Geehrter Kongreß! Es kommt jetzt sehr häufig vor, daß man mit Gesinnungsgenossen spricht. Ich muß die traurige Tatsache konstatieren, daß, wenn wir deutsch sprechen, wir doch auch in verschiedenen Sprachen sprechen. Wir verstehen uns nicht mehr. Wissen Sie weshalb? Es geschieht deshalb, weil die die Theoretiker sind, die sich Politiker nennen, weil sie in Abstraktionen schweben, weil sie Palästina und was dort keimt und bereits dem unbewaffneten Auge bemerkbar ist, nicht ein einzigesmal gesehen haben. Geehrter Kongreß! Die Frage, die die Misrachi hier aufgeworfen haben, ist nicht eine Frage des Nationalfonds, sie ist nicht einmal eine Frage der zionistischen Bewegung oder nur der zionistischen Bewegung, sondern das ist die Frage: Sein oder Nichtsein! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Diese Frage hat nur ihre Anwendung auf die Entstehung oder Verwirklichung des Zionismus gefunden. Jeder von Ihnen versteht, (daß das Leben stärker ist als Gesetze. Jeder von Ihnen versteht, daß die lebendigen Gesetze aus dem Leben einmal hervorgegangen sind, und weil wir im Golus leben, so verstehen wir, daß wir uns nicht ausleben können, weil wir Gesetze haben, die auf einem anderen Boden ihren Ursprung haben und die wir als Kleinod ins Exil mit uns geschleppt haben. Entweder sind wir zu klein oder zu schwach für die Gesetze geworden oder die Gesetze sind uns unverständlich geworden. Das Streben nach einer Wiedergeburt, das ist etwas, was mit dem ganzen Hoffen, Ringen und Kämpfen eines ganzen Volkes und seiner Seele zu tun hat, und umsonst will man den Versuch machen, eine Trennung hervorzurufen: Hier ist Moschiach für die Alten, hier der Zionismus oder ein Surrogat des Moschiach für die Jungen. So etwas kommt im Leben nicht vor. In dem Augenblicke, als wir uns als Zionisten absondern wollen von unserem Judentum und unseren Hoffnungen, sind wir keine Zionisten mehr. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Ich kenne nicht die Grenze und bin sie nie passiert, die Grenze zwischen den überlieferten und meinen neuen Hoffnungen. Wenn man eine Scheidewand zwischen der Vergangenheit und der Zukunft machen will, dann schneidet man auch die Zukunft ab und sie wird unverständlich und trocken. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist ein Kampf, und nicht mit Resolutionen — wenn auch Herr Dr. Bodenheimer für dieselben eintreten würde — kann man dem neuen Leben in Palästina andere Formen verleihen. Es geht einfach nicht. Das, was man im Golus der ganzen Welt durchmacht, wird auch in Palästina durchgemacht; denn es sind dort Elemente, die auf eigene Faust handeln, allein nach Palästina gekommen sind und uns gar nicht fragen, wie sie ihr Leben einrichten sollen. Als Beispiel will ich anführen: Hat denn die zionistische Organisation überhaupt in