Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 146)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 146 - Rußlands nicht mitgearbeitet an der J. C. T.? Haben nicht die Aermsten der Armen ihre Sparpfennige herbeigebracht, haben nicht alle am jüdischen N. F. mitgearbeitet? Ist dieser etwa eine Schöpfung irgendeiner einzelnen nationalen Partei? Wir alle betrachten den Zionismus als Eigentum des gesamten jüdischen Volkes und verlangen deshalb, daß unsere Ansichten, die die Ansichten der gesamten Judenheit sein sollen, respektiert werden, nicht bloß von unserer kleinern Partei, sondern wir hoffen, daß dereinst alle Zionisten, gerade auch die radikalen Elemente, sich mit uns vereinigen werden, daß auf dem Boden von Palästina ein freies, selbstbewußtes, aber ein reines echtes Judentum wieder aufleben soll. (Beifall.) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Das Wort erhält der Herr Delegierte Ben Z w i: Del. Ben Zwi hält eine Rede in hebräischer Sprache. Del. Dr. Schemarja Levin (übersetzend): Herr Ben Zwi sagt einleitend, die Poale-Zionisten sind nicht etwa mit Konterbande in die zionistische Organisation eingetreten, sondern sie haben ganz frei und offen ihre Weltanschauung bekundet. Er bezeichnet sie als die extremen, freien Elemente, die Freidenker in der zionistischen Organisation, und sagt, sie seien nicht durch eine Hintertür, sondern durch ein ganz breites offenes Tor in die zionistische Organisation eingetreten. Er verlangt, daß man sie hier nicht vor Gericht stelle. Für sie gebe ec nur einen Richter, das sei die Geschichte, und diese werde uns mit der Zeit belehren, wer recht gehandelt habe. Sie seien in die zionistische Organisation nicht auf Basis der jüdischen Religion eingetreten, sondern auf nationaler Grundlage, und auf dieser Grundlage blieben sie bis zum heutigen Tage stehen. Die Intoleranz der Misrachisten kann der ganzen zionistischen Organisation sehr viel Schaden zufügen. Er sagt, wir haben das Recht, zu behaupten, daß wir unsere Liebe zu Zion nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten schon bewiesen haben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Besonders sind es die Arbeiter in den Kolonien und in Galiläa, die ihre Liebe zu Zion durch ihr Leben längst bezahlt haben. Erneuter lebhafter Beifall.) Er stellt da an die Misrachisten eine Frage. Das Land ist offen und frei und jeder kann dorthin kommen und nicht nur Kritik üben, sondern auch arbeiten. Er fragt: Wo ist die Jugend des orthodoxen Judentums, die nach Palästina gegangen ist und auf den Feldern von Galiläa ihr Leben wie die Freidenker bezahlt hätten? In Palästina hat man es nicht nur mit dem neuen Elemente zu tun, sondern es gibt auch die alte jüdische Bevölkerung in Palästina, die Chaluka-Bevölkerung. Diese muß auch in Betracht gezogen werden, und gerade da wäre ein großes ausgebreitetes Arbeitsfeld für die Misrachisten. Nun fragt er, warum haben sie keine einzige Kolonie dort gegründet, damit die Jugend die Möglichkeit hat, sich anständig zu ernähren und gerade im Geiste der Misrachisten zu leben. Er hat nichts dagegen, wenn dies geschehen wäre. (Beifall.) Ferner sagt er, wir protestieren gegen jeden Versuch, und mag er auch der geringste Versuch sein, die Religion als die einzige Basis der zionistischen Idee zu erklären. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Er sagt, es gibt nur ein Fundament, zwei Fundamente gibt es nicht. Und wenn man sagt „das" Fundament, so ist es auch das einzige Fundament. Er sagt, wir Poale-Zion erkennen die ganze Tragweite und Tiefe des Sabbats, von seiner moralischen und sozialen Bedeutung. Aber diese Kleinigkeiten — so hat sich der Redner ausgedrückt — erniedrigen gerade die erhabene Bedeutung des Sabbaths. Und er richtet da die Frage an die Misrachisten: Habt Ihr ein Interesse nur für Kleinigkeiten, oder auch ein Interesse am Sabbath im ganzen als jüdische Institution? Wenn Ihr