Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 145)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 145 - möglich gewesen, daß auf den Gütern des Nationalfonds dieses Gutachten •des Rabbiners Kuk beobachtet worden wäre. Wie gesagt, ist tatsächlich aut den Gütern der Ika und des Barons Rothschild diesem Grundsatze Achtung verschafft worden, nur aut den Gütern unseres jüdischen Nationalfonds hat man sich geweigert, diese rein formelle Konzession zu machen, daß man wenigstens diesem uralten jüdischen Nationalgesetz Respekt bewiesen hätte. (Unruhe.) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Ihre Zeit ist um. Del. Dr. Lewy (fortfahrend): Ich bin gleich fertig. Herrn U s s i s chkin muß ich leider in einem Punkte widersprechen. Er hat gemeint, solche Kongreßbeschlüsse, welche aussprechen, daß die Leitung dafür Sorge zu tragen hat, daß in unseren Organisationen das jüdische Religionsgesetz respektiert werde, hätten doch keinen Zweck. Es gäbe nur ein Mittel, daß nämlich die konservative judenheit sich zu positiver Arbeit aufraffen soll. Glauben Sie, meine Herren, daß wir wirklich der Meinung sind, daß durch solche Kongreßbeschlüsse die einzelnen privaten Ausschreitungen beseitigt werden können? Nicht im Traum ist uns das eingefallen. Gewiß wissen wir, daß wir nur durch positive Arbeit, durch einen Kampf der Geister das alte jüdische Gesetz in seiner vollen Bedeutung und Kraft aut dem Boden Palästinas wiederherstellen können. Wir fürchten diesen Kampf der Geister nicht. Das Judentum hat die Thora unter viel schwierigeren Bedingungen erhalten. Wenn wir dafür eintreten, daß im Kongreß dafür gesorgt werden soll, daß in dieser Sache die Ansicht der Mehrheit der Juden nicht mißachtet und mit Füßen getreten werde, so tun wir das gerade im Interesse der zionistischen Bewegung, weil wir verhüten wollen, daß der assimilatorische, unjüdische Geist ebenso wie bei der Alliance, die auch im Anfang ihrer Gründung von nationalen Aspirationen beseelt war, nach 20 Jahren mühsamer Arbeit alles vereitelt und zuschanden macht, was wir geleistet haben. Wir wollen verhüten, daß nicht ein neues Golus in Palästina eintritt und wrollen, daß das Judentum in Palästina ganz und rein sein soll. Wir wissen, daß die Zeit kommen wird, wo manche Aenderung in der kulturellen Form des Judentums eintreten wird. Wir wollen aber, daß diese langsam und nicht durch äußere, gewaltsame Einflüsse herbeigeführt werde, um zu verhüten, daß ein fremder Geist vom Auslande hineingetragen werde. Wir wünschen vielmehr, daß das Judentum in Palästina von innen heraus sich regeneriere, -daß das Judentum mit seinem jüdischen Volke in der Gesinnung und Ueberzeugung einig sein soll. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Tschlenow (unterbrechend): Ich mache den Redner darauf aufmerksam, daß er bereits über 20 Minuten spricht, ich bitte •deshalb zu schließen. Del. Dr. Lewy (fortfahrend): Gleich! Herr Dr. Bodenheimer hat uns vorgeworfen, daß wir nicht genügend positive Arbeit leisten. Er liat auf einen bestimmten Fall hingewiesen, daß nämlich, als die Gründung einer misrachistischen Kolonie angeregt worden war, die Misrachi nicht einmal in der Lage gewesen wären, im Laufe von U/2 Jahren 50 000 Frs. aufzubringen. Nun, meine Herren, zunächst einmal ist die Arbeit noch lange nicht beendet. Man muß berücksichtigen, daß zur selben Zeit die Agitation für die Siedlungsgenossenschaft im Gange war und gerade an dieser Siedlungsgenossenschaft die Vertreter der Misrachi sich in einer Weise beteiligt haben, die weit über das Verhältnis hinausgeht, das ihrer Parteizugehörigkeit entspricht. Wir müssen weiter berücksichtigen, daß es sich bei allen Institutionen nicht um Parteischöpfungen handelt. Haben die armen Juden 10