Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 143)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 143 - und es besteht nicht die Möglichkeit, nachzuprüfen, was dort geschieht. Wir wollen nicht warten, hoffen auch nicht, daß eine korrupte Wirtschaft in Palästina einreißt, aber wir wollen Vorsorge treffen, daß niemals dort eine Mißwirtschaft einreißt und keine Personalherrschaft in Palästina eingreift. Das ist nur möglich, wenn an Ort und Stelle eine unparteiische Kontrolle prüft, was vom E. A. C. und vom Palästinaressort geschaffen wurde. Es wurde gestern von gewisser Seite über die Entlassung eines Beamten Beschwerde geführt. Der Präsident unserer Organisation erklärte, wir können uns auf unsere Beamten unbedingt verlassen. Das scheint mir ein zu weitgehendes Vertrauen, es muß die Möglichkeit bestehen, daß auch unparteiische Elemente, die nicht untergebene Leute des Actionscomitees sind, nachprüfen, ob alles in Ordaung geschieht. Denn der Präsident kann sich nicht nur auf dasjenige verlassen, was ihm von angestellten Beamten mitgeteilt wird. (Zustimmung.) Es ist notwendig, wie bei den anderen Parteien, z. B. der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, daß eine oberste Kontrolle der Organisation besteht, die alle Handlungen des Parteivorstandes revidiert und Rechenschaft bei den Parteitagen ablegt. Wir brauchen auch eine solche Kommission in Palästina, die aus drei oder fünf unparteiischen Personen zusammengesetzt ist und die dem Kongreß persönlich oder schriftlich Bericht erstattet, was im Auftrage des Nationalfonds und des Actionscomitees geschieht. Es ist zweckmäßig, wenn auch der Leiter des Palästinaamtes auf dem Kongreß es als Ehrenpflicht betrachten würde, persönlich zu erscheinen und Auskunft über alle Handlungen zu erteilen. (Zustimmung.) Und nun verlasse ich diese rein materiellen Fragen und gestatte mir, mehr auf das geistige Moment einzugehen, das hier in der Debatte zutage getreten ist. Herr Ussischkin hat es heute verstanden, durch seine meisterhafte Rede das Niveau dieser Debatte auf einen höheren Standpunkt zu erheben, im Gegensatze zu Herrn Dr. Boden heimer, der den Misrachisten vorgeworfen hat, sie verlangen die Schaffung einer Polizeigewalt. (Zustimmung.) Sie alle, meine Damen und Herren, auf welchem Standpunkt, sei es politischer, kultureller oder religiöser, Sie auch immer stehen, Sie werden mit dem übereinstimmen, was Herr Tschlenow und Herr Ussischkin heute ausgeführt haben, daß für die Erhaltung des Judentums und für die Erhaltung der jüdischen Nationalität im Laufe der Diaspora, der zweitausendjährigen Geschichte, keine Kraft so stärkend gewirkt hat, wie die jüdische Religion, und wenn wir in Palästina uns eine neue Heimat schaffen wollen, so geschieht es nicht deshalb bloß, um den armen Juden dort Brot zu geben, damit sie ihr Leben fristen, sondern insbesondere deshalb, um dem jüdischen Geiste eine Heimat zu geben, damit die jüdische Lehre in Palästina wieder auflebt und das, was an traditionellen Heiligtümern im jüdischen Volke schlummert, wieder in Palästina zu neuer Blüte gelangen soll. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist nicht unsere Absicht, in die persönliche, private Freiheit irgend eines einzelnen einzugreifen. Aber es gibt in jedem Leben eine Grenze für die individuelle Freiheit, und gerade die Vertreter der Poale- Zion, diejenigen, die sich zur sozialistischen Weltanschauung bekennen, sollten begreifen, welche Bedeutung das jüdische Gesetz für die Reform der Menschheit und für die Schaffung der Sabbathruhe besitzt. Sie sollten wissen, daß eine Grenze für die individuelle Freiheit besteht, daß in jedem Lande die Sonntagsruhe eine gewisse Beschränkung bedeutet. Das dient aber nur dem Wohle der Gesamtheit, und der Sozialismus hat dies nicht zu bedauern. So wenig wir in die private Freiheit des einzelnen eingreifen, so wenig wir einen Zwang auf dritte Personen ausüben, so sehr verlangen wir, daß alles, was im Namen des Kongresses, im Namen