Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 140)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 140 - debatten, alle politischen Debatten, alle Debatten über praktischen und politischen Zionismus helfen uns darüber nicht hinweg — ist der Angeipunkt der zionistischen Politik im Oriente heute die Bankpolitik. Nur durch die Bankpolitik ist es uns möglich, Einfluß zu gewinnen und uns die Stellung zu verschaffen, die uns Juden, die wir in Wirklichkeit die potentiellen, die zukünftigen Bürger des zukünftigen Palästina im Ottomanenreiche darstellen, zukommt. Wenn die Banken nicht in dem Sinne arbeiten, daß sie die Vorläufer unserer Politik sind, daß sie wirklich bankmäßige Politik treiben, ist alles vergebens. Daß sie sie aber treiben, ist unser Wille, meine Herren Direktoren, und dafür sollten Sie sorgen. (Beifall.) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Die Rednerliste ist erschöpft. ich erteile dem Präsidenten des Direktoriums Dr. Katzeneis ahn das Wort. Direktor Dr. Katzenelsohn: Hoher Kongreß! Es tut mir sehr leid, daß die Debatte so kurz war. Einen der wichtigsten Teile derselben habe ich versäumt. Was Freund G o 1 d b e r g gesprochen hat, habe ich nicht gehört und kann deshalb darauf nicht antworten. Ich bedauere das von Herzen, aber ich hoffe, das wird dadurch gut zu machen sein, daß mir Herr Goldberg seine Wünsche übergibt, und wir sie nachher besprechen. Nun werde ich ganz kurz die Fragen des Herrn S c h w i t f beantworten. Er hat uns drei Fragen vorgelegt. Die erste Frage lautete: warum werden die Aktien auf der Börse nicht kotiert, die zweite: warum werden blos 2i/o % Dividende gegeben? Nach alter, guter, jüdischer Art werde ich Herrn Schwriff mit einer Gegenfrage antworten. Herr S c h w i f f, Sie sagen, es gibt keine Bank, die 21/2 °/o Dividende ausschüttet, wo gibt es eine Bank, die am Sonnabend geschlossen ist? (Rufe: Sonntag!) Sonnabend und Sonntag! Wo gibt es eine Bank, die eine ganze Menge Ausgaben für die zionistische Bewegung hat? Ich habe Ihnen auf dem vorigen Kongresse zahlenmäßig nachgewiesen, daß in den letzten sieben Jahren ihrer Existenz die Bank über 20 000 £ für direkt zionistische Zwecke ausgegeben hat. Ich will Ihnen die Zahlen nicht wiederholen. Wenn Sie wollen, können Sie sie im Protokolle nachlesen. Das habe ich schon zwei- bis dreimal wiederholt, aber manche Dinge können eben nicht oft genug wiederholt werden. Hätten wir diese Ausgaben nicht, so könnten wir eben Dividenden geben, wie sie manche andere kaufmännische Bank gibt. Ob man uns einen Vorwurf daraus machen soll, daß wir für zionistische Zwecke Geld ausgeben oder nicht, ist eine andere Frage. Vielleicht sollte man uns wirklich einen Vorwurf daraus machen. Einer def Redner hat uns die Schatzmeister oder die Wachtmeister der Bank genannt, ich weiß nicht, es kommt uns nicht darauf an, man kann uns nennen, wie man will, man kann uns unseretwegen die Wachthunde der Bank nennen, was aber in unseren Kräften liegt, die Gelder der Bank zu hüten, das tun wir — Sie werden es uns zugeben — ehrlich und gut. Für zionistische Zwecke müssen wir unter gegebenen Umständen Geldausgaben machen, das geht leider nicht anders, denn wir sind nicht lediglich ein kaufmännisches Institut, sondern wir sind eine Bank der Organisation. Darin liegt auch der Grund, warum wir nicht jene Dividende gegeben haben, die wir geben sollten. Implicite liegt in dieser Antwort auch schon die Antwort auf diese Frage, warum wir nicht auf der Londoner Börse kotiert werden. Damit dies geschähe, müßten wir eine ganze Reihe von Jahren hindurch über 4 0/0 Dividende verteilt haben. Wenn wir aber, wie es jetzt ibeantragt wurde, den Beschluß fassen, die alten Dividenden für verfallen zu erklären, dann verzichten wir für immer auf das Recht, an der Londoner Börse kotiert zu werden.