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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 130

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 130 (sequence 130)
Language
German, English, Hebrew
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— 130 - jedem Volke die Religion mit dem Volkstum auf das engste verknüpft ist — er sagt mit einem Kai wochomer —, so ist es umso mehr bei den Juden der Fall, wo doch die Religion im Laufe vieler Jahrhunderte beinahe die Hauptrolle spielte, weil sie doch das einzige Moment im jüdischen Leben war. Doch findet er, daß man eine solche Frage nicht durch Beschlüsse und Resolutionen zur Erläuterung bringen kann. Er begreift auch sehr gut die Empfindungen und Entrüstungen in manchen Fällen hier auf der rechten Seite, doch warnt er davor, daß wir nicht eine solche Kritik einschlagen sollen, eine Kritik der Störungen, eine Kritik der Vernichtung, sondern wer arbeiten will, soll suchen zu wirken, soll suchen, seinen Einfluß auszuüben, und da wendet sich Ussischkin an die Misrachi und sagt: Wer irgendeinen Einfluß auszuüben imstande ist, tue es und suche, daß eine neue Generation entstehe in Eurem Sinne. Wenn wir aber vor uns Menschen sehen, die alles ihres Ideals wegen aufopfern, die mit blutigem Willen nach Palästina gehen und dort arbeiten und die nicht im Sinne des Misrachi und des orthodoxen Judentums handeln, so wäre es unwürdig der jüdischen Nation, daß wir solche Instrumente, wie sie der Misrachi vorschlägt, nötig hätten, um diese Strömungen zu unterdrücken. Man kann nur auf sie wirken, Einfluß ausüben und sie belehren. Und was die Erziehung anbetrifft — das ist die Hauptfrage —, sagt er: Seit 200 Jahren des Jischuw — wo sind die großen Rabbiner, wo sind die hellen Geister in Israel? Ist es denn nicht eine Schande, daß, wenn man im Orient einen Großrabbiner nötig hat, man ihn importieren muß? Und wenn junge Kräfte gekommen sind und eine Schule gründeten, so taten sie es selbstverständlich in ihrem Geiste. Herr Ussischkin stellt fest, es sind an dieser Schule gewisse Mängel, man kann gegen sie auftreten, und er behauptet, daß er es tut. Er hatte Disputationen, Auseinandersetzungen und Erklärungen mit Herrn Mossinsohn und anderen Lehrern; aber eines findet er bei ihnen: Diese jungen Leute, die diese Schule gegründet haben, suchen die Wahrheit, sie sind auf dem Wege zur Wahrheit. (Stürmischer Beifall.) Wenn die Misrachisten kommen werden und eine eigene Schule gründen, wie es die Gründer der Tachkemoni- Schule getan haben, werde er der erste in ihren Reihen sein. Ussischkin sagt weiter: Lasset Euch nicht ein auf die bisherige Taktik, sondern helfet mit. Diesen Rat erteilt er nicht nur den Misrachi, sondern auch der linken Seite. Nur auf dem Wege des Schaffens kann etwas entstehen, aber auf dem Wege der Zerstörung kann nichts entstehen! (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Geehrter Kongreß! Gestatten Sie, daß ich ex praesidio an Sie eine Bitte richte. Das Präsidium ist selbstverständlich von der Wichtigkeit der Fragen und Debatten, die uns jetzt befassen, durchdrungen. Diese Debatten sind keine Neuigkeit auf diesem Kongresse, wir kennen sie schon seit Beginn der zionistischen Bewegung. Da will ich Ihnen ein Wort in Erinnerung bringen, das unser großer Führer schon damals als Antwort auf Wünsche in der Richtung der jetzigen misrachistischen Wünsche gegeben hat. Er hat nämlich feierlich erklärt, daß der Zionismus nichts unternimmt, was das religiöse Gewissen verletzt. Und auf dieser Grundlage — ich denke, wirikönnen es alle bestätigen — steht der Zionismus bis jetzt, wird er immer stehen. Der Zionismus steht fest auf diesem Prinzip, erstens, weil er es will, und zweitens, weil er es muß. Wir haben in unseren Reihen verschiedene Richtungen. Sie können das sehr prägnant auch in diesem Saale jetzt sehen, und das hat sich auch bereits in (der Debatte abgespielt. Wir wollen aber alle als eine geeinigte Organisation arbeiten (Beifall) und das ist nur dann möglich, wenn diese verschiedenen Richtungen uns nicht stören, wenn wir uns als Brüder fühlen, um gemeinschaftlich der allgemeinen Sache zu dienen. (Beifall.)

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