Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 129)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476274--3674-3479816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 129 - ■ Del. Rabbiner Schmelkes: Aber ich meine ja das nur in diesem Sinne! Wenn ich von „erobern" spreche, so meine ich natürlich damit, daß man die Herzen der Araber sich erobern müsse, das ist doch selbstverständlich, haben Sie daran gezweifelt? Es liegt uns also daran, die Herzen der Araber für uns zu gewinnen. Die Araber sind durch und durch gläubig, sie werden ihren Glauben nicht um einen Pappenstiel hergeben. Und wenn wir ihnen auch alles bieten, was wir bieten können, wenn wir ihnen das Land zu einem Erez sabath chalab udbasch machen, sie werden darauf verzichten, wenn sie sehen werden, daß wir ihnen mit schlechtem Beispiele vorangehen und ihre Gläubigkeit verderben. (Lebhafte Zustimmung.) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Herr Rabbiner, ich muß Sie darauf aufmerksam machen, Sie sprechen bereits 25 Minuten statt 15 Minuten, da müssen Sie sich doch einigermaßen Beschränkung auferlegen, zumal wir ja gegenwärtig eigentlich in einer Debatte über den Nationalfonds und nicht in einer solchen über religiöse Fragen stehen. Ich bitte Sie also, Herr Rabbiner, sich dem Ende zuzuwenden. Del. Rabbiner Schmelkes: Ich wende mich nun an meine Freunde, die sogenannten Proletarier. Meine Damen! meine lieben Brüder! Bei uns existieren keine Proletarier. Das jüdische Gesetz kennt keinen Unterschied zwischen Brotgeber und Brotnehmer. Das jüdische Gesetz ist den Brotnehmern wohlwollender als den Brotgebern. Vergrößern Sie nicht diese Goluskluft zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch die Beeinflussung ihrer religiösen Gefühle! Lassen wir also die alten Dinge ruhen. Was geschehen ist, soll geschehen sein und den geehrten Kongreß und Sie alle, meine Brüder, bitte ich, Ihrer Meinung dahin Ausdruck zu geben, daß alle zionistischen Institutionen im Thorasinne und im Thorageiste geleitet werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Dann werden wir von diesem Kongresse, der ein Jubel- und Friedenskongreß ist, mit dem Bewußtsein scheiden, daß unser Vertrauen zum zionistischen Gedanken gestärkt und vermehrt wird. Und dahin lassen Sie uns alle streben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Das Wort hat Herr Ussischkin. Del. M. Ussischkin (mit stürmischem Beifall und Händeklatschen begrüßt, hält eine Rede in hebräischer Sprache). (Rufe: Deutsch sprechen. — Lebhafter Widerspruch und Rufe: ibrith!) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Das ist unsere offizielle und nationale Sprache. Wir werden dann die Rede ins Deutsche übersetzen, wir hoffen aber, daß es nicht lange mehr dauern wird, bis wir solche Uebersetzungen nicht mehr nötig haben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del. Ussischkin (setzt seine Rede hebräisch fort und schließt unter stürmischem Beifall und Händeklatschen). Del. Dr. Schemarja Levin (übersetzend): Geehrter Kongreß! Selbstverständlich bin ich nur in der Rolle eines Uebersetzers und ich kann das Feuer, das unser Freund Herr Ussischkin in seine Rede hineingelegt hat, hier nicht mitteilen. Herr Ussischkin sagt: Ich spreche gewöhnlich sehr wenig auf Kongressen, denn ich glaube, daß die sämtlichen wichtigen Beschlüsse nicht im Kongreß stattfinden, sondern hauptsächlich in den Kommissionen, wenn ich mich diesmal zu dieser Frage wende, geschieht es deswegen, weil ich diese Frage für eine der wichtigsten und brennendsten im Zionismus halte, und es eine heilige Pflicht ist, daß hier jeder eine klare, deutliche Antwort auf diese Frage gibt, damit kein Mißverständnis in der Zukunft sich ereignet. In der Einleitung erklärt Herr Ussischkin, daß er seinen Gefühlen nach den Misrachi sehr nahe steht und er behauptet sogar, daß, wenn bei 9