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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 128

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 128 (sequence 128)
Language
German, English, Hebrew
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— 128 - Vizepräsident Dr. Tschlenow: Ich muß Sie darauf aufmerksam machen, daß Sie jetzt nur mehr ein paar Minuten Redezeit haben. (Rufe: Verlängern!) Die Zeit ist ja noch nicht um, ich mache den Herrn Redner nur darauf aufmerksam, damit er sich einigermaßen beschränke. Del. Rabbiner Schrnelkes: Ich würde es sehr bedauern, wenn ich meine Rede in der Mitte abbrechen müßte. (Fortfahrend): Zu dieser Erhaltung des jüdischen Volkes hat unsere Thora nicht gerade zum geringsten beigetragen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Meine Damen und Herren! Ein Land, das sonst der Grundstein der Erhaltung eines Volkes bildet, haben wir längst verloren und wir haben uns ohne Land erhalten. Wir haben auch das zweite Element der Erhaltung eines Volkes, die Sprache, teilweise verloren und haben uns doch erhalten, und haben uns erhalten durch unsere Thora. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Wenn wir unsere Thora nicht gehabt hätten, wären wir längst dort, wo die Römer, die Perser, die Griechen, die Armenier, alle jenen alten Völker sind. Es wäre von dem jüdischen Volke keine Spur mehr vorhanden. Und darum, meine verehrten Damen und Herren, bitte ich Sie, die Thora als Stützpunkt des Zionismus zu nehmen. (Lebhafter Beifall.) Glauben Sie ja nicht, dadurch in den Verdacht des Klerikalismus zu kommen. Wir sind nicht klerikal, unsere Thora kennt gar keinen Klerikalismus. Der Klerikalismus ist eine Golusfrucht, auf Golusboden gewachsen, auf unsere Verhältnisse übertragen, ohne daß man den Sinn der Sache kennt. (Rufe: Zur Sache!) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Ueberlassen Sie es dem Präsidium, zu entscheiden, ob der Redner zur Sache spricht oder nicht. Del. Rabbiner Schmelkes: Es ist hier vom Pessimismus gesprochen worden. Einer der Redner hat seinem Pessimismus in bezug auf die Gegenwart in beredten Worten Ausdruck gegeben, der andere Redner in bezug auf die Zukunft. Uns, meine Damen und Herren, macht dieser Pessimismus in gar keiner Beziehung bange. Wir glauben an eine höhere Macht — und das ist kein Köhlerglaube, man muß nicht Köhler sein, um daran zu glauben — wir glauben an die Wunderkraft des jüdischen Volkes. Schon unsere Existenz seit 1—2000 Jahren ist ein Wunder. Aber auch wenn wir an dieses Wunder glauben, dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen und müssen zu der Verwirklichung dieses Wunders das unsrige tun. Und was wir tun können, ist das Vermächtnis unseres so heiß geliebten H e r z 1, die Rückkehr zum jüdischen Volke vor der Rückkehr in das Judenland. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Und das heißt die Rückkehr zu demjenigen Fundament, das das jüdische Volk bisher erhalten hat: die Rückkehr zur Thora. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist hier gesprochen worden von der Eroberung der Herzen der Juden in Palästina. Ja, meine Herren, wenn Sie die Herzen der Juden in Palästina erobern wollen, dürfen Sie ihnen nicht mit Dingen kommen, die ihre Herzen empören. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist auch von der Eroberung der Araber gesprochen worden. Meine Damen und Herren! Lassen wir das Geschehene geschehen sein, Schwamm darüber, aber ich will Ihnen einen Fingerzeig für die Zukunft geben, wenn Sie von der Eroberung der Araber sprechen wollen. Die Araber sind ein gläubiges Volk, sie sind von der Kulturlüge Europas noch nicht angehaucht. Vizepräsident Dr. Tschlenow: Ich kann das nicht zugeben, daß Sie hier von der „Eroberung" der Araber sprechen, wir wollen mit den Arabern freundschaftlich zusammen wohnen und zusammen arbeiten. (Rufe: Er meint ja das nicht anders!)

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