Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 126 (sequence 126)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476274--3671-3479813
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 126 - Sabbatruhc einhalte, wie es unserem Gebote entspricht. Ich bin erstaunt,, von diesem Brief des Herrn Oberrabbiners K u k hier zu hören. Wir stehen im besten Verhältnis zu ihm, wir arbeiten sehr oft zusammen und er hilft uns in vielen Dingen. Um so eher hätte ich erwartet, daß er, wenn er irgendwelche Uebelstände bemerke, auf direktem Wege sich an uns wendet und wir so die Möglichkeit erhalten, Uebelstände abzustellen. (Zuruf: Es ist ja direkt! Hier ist der Originalbrief!) Dr. Bodenheimer: Wie kann der Originalbrief in Ihrem Besitze sein? Den müßten doch wir haben! (Lebhafte Zustimmung.) Dr. Thon (fortfahrend): Es dürfte sich nicht um Vorgänge aus den letzten Tagen handeln, sondern aus einer zurückliegenden Zeit, und wir sind uns so nahe, Herr Oberrabbiner K u k und wir, und befolgen in solchem Umfange seine Ratschläge, daß wir von jedem einzelnen Falle hätten Kenntnis bekommen müssen. Ich konstatiere noch einmal:* Es ist also nicht richtig, daß der Sabbat in den Wirtschaftsbetrieben des N. F. irgendwie entweiht wird. (Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Das Wort hat der Del. Dr. Zweig. (Derselbe ist im Saale nicht anwesend.) Herr Del. Adolf Böhm hat das Wort. (Derselbe ist im Saale nicht anwesend.) Das Wort hat der Del. Dr. Zuckermann. Del. Dr. Zuckermann (Jargon): Wir, Vertreter der Poale Zion, wollen auch unsere Ziele und Zwecke im Gegensatz zu denen der Misrachi in Erez Israel beachtet haben. Der Vorschlag, den Herr Struck gemacht, bestätigt nur vollständig den Ausdruck von Bodenheimer: „religiöse Polizei". Diese religiöse Polizei muß aufhören. (Lebh. Zustimmung. — Unruhe bei den Misrachisten.) Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! (Hört! hört! Beifall und große Unruhe) — es ist eine große Frage, \öb dieses jüdische Gebot nicht wichtiger ist. (Große Unruhe der Misrachisten.) Wir müssen den Klerikalismus der Misrachisten abschütteln, er muß ein Ende nehmen im Interesse des Zionismus und des Ideals, für das wir zusammengekommen sind. Es muß festgestellt werden: Freiheit der Religion! Jeder Zionist muß ein Recht haben, in .Palästina religiös zu leben, wie er will, und so, wie er es für richtig hält. Wir Poale Zion haben umso mehr ein Recht darauf, als wir den Boden Palästinas mit unserem Blute gedüngt haben. (Stürmischer Beifall. — Unruhe bei den Misrachisten.) Del. Rabbiner Schmelkes (mit stürmischem Beifall und Händeklatschen begrüßt . . . spricht hebräisch und setzt dann deutsch fort): Geehrter Kongreß! Gestatten Sie mir, daß ich zuerst den Gefühlen Ausdruck gebe, die mich zum ersten Male beim Anblick dieser, ich muß sagen, glorreichen Versammlung übermannt haben. Es war ein überwältigendes Gefühl, das mich beherrscht hat. Mearba kanfoth haerez: Von allen Windrichtungen der Erde sehe ich meine Brüder versammelt, versammelt in dem einen Gedanken und Bestreben, Israels Volk einer glücklichen Zukunft zuzuführen. Sie entschuldigen, meine Herren und Damen, wenn ich Ihre kostbare Zeit vertrödle, um meinen persönlichen Gefühlen Ausdruck zu geben, die Sie doch eigentlich nichts angehen, und doch will ich das hervorheben, um Ihnen zu sagen, daß Sie es mit einem ernsten, aufrichtigen und treu ergebenen Zionisten zu tun haben, daß Sie also seinen Worten keine andere Bedeutung beimessen mögen als diejenige, den Zionismus und unser Volk auf der möglichsten Höhe zu sehen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Und so werden Sie gestatten, daß ich in schlichten Worten — ich bin nicht redegewandt, insbesondere nicht in der deutschen Sprache, denn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.