Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 124)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 124 - gewagt, den ich als unerhörte Beleidigung der Misrachi-Zionisten auf das schärfste zurückweise. (Lebhafter Beifall. — Große Unruhe.) Man. hat uns schon früher von leitender Stelle aus als Sabbatvvächter und Schnüffler verspottet. (Zustimmung bei den Misrachi.) Liebe Gesinnungsgenossen! Das rührt uns nicht, wir lächeln darüber, wenn auch mit schmerzlichem Lächeln. Wir gehen mit Scheuklappen durch die Welt. Wir sehen nicht nach rechts und links, wir treiben keine Politik, wir gehen, auf eine unerschütterliche Ueberzeugung gestützt, geradeaus unseren Weg. Schimpfworte, wie die eben erwähnten, sind keine Beweise. Als die Vertreter des traditionell-religiösen Prinzips im Zionismus sehen wir uns veranlaßt (Zwischenrufe.) Nicht als die einzigen Vertreter, (Rufe: Aha!) aber wir sind auch Vertreter des traditionell-religiösen Prinzips und als solche sehen wir uns veranlaßt, warnend auf diesen wunden Punkt zu weisen. Unser allverehrter Präsident Wolf f söhn, hat auf das dringendste zur Kritik aufgefordert. Ich will nach seinen Worten eine freundschaftliche Kritik üben, die den Zweck hat, nicht zu verbittern, sondern zu bessern. Gar manche Klage ist uns zu Öhren gekommen; ich will aber an dieser Stelle keine Einzelheiten vorbringen, sondern Ihnen nur durch Verlesung eines Briefes ein Stimmungsbild geben. Der Brief stammt von der Hand eines Mannes, der in Palästina bei allen Richtungen als makelloser Charakter, als glaubenstreuer, aber toleranter Jude allgemeines, uneingeschränktes Vertrauen genießt. Er ist ein Aufschrei aus tiefstem Herzensgrunde, und ich bin überzeugt, daß diese Worte Ihnen allen zu Herzen gehen werden. Herr Abraham Jizchak Hakohen K u k, Oberrabbiner in Jaffa und den Kolonien, schreibt an die Leitung des J. N. F.: Jaffa, 25. Tammus 5671. An die sehr geehrte Leitung des jüdischen Nationalfonds! Als Eingeweihter, dem unsere Kolonisation in Erez Israel nahegeht,, sehe ich mich verpflichtet, dem geehrten Comite gewisse Dinge mitzuteilen und es anzuregen mit allen Kräften, eine Angelegenheit zu ordnen, die das Wesen und die Grundlage des Bestandes der Kolonisation, ihre Ehre und ihren Ausbau, sowie die Ehre des jüdischen Nationalfonds im allgemeinen,, seine Entwicklung und Verbreitung betrifft. Sie, geehrte Herren, mögen erfahren, daß das System der Verletzung der Heiligtümer unserer Religion in allen Teilen der Ansiedlung, besonders aber auf den Besitzungen des Nationalfonds in sehr herausfordernder Form, speziell durch Entweihung des Sabbats und der Feiertage (hört! hört! bei den Misrachi) sehr verbreitet ist. Die Arbeiter und Beamten kümmern sich nicht im geringsten um das, was Israel heilig ist, und mit Verachtung entweihen sie die Heiligkeit der Festtage durch öffentliche Arbeiten (Zuruf: Privatsache! — Anderer Zuruf: Unwahr!),, durch Fahren, Reiten, Tragen und Feueranlegen wie an gewöhnlichen Werktagen, zum Schmerze aller derjenigen, in denen jüdisches Empfinden lebt und die mit Befremden sehen, wie ihr Allerheiligstes mit Füßen getreten wird, durch Brüder in Erez Israel, — im heiligen Lande. Die Sache hat bereits einen solch schrecklichen Grad angenommen,, daß nur Gott weiß, was das Ende dieses Skandals sein kann, wenn nicht durch weisen und gerechten Rat dem Uebel gesteuert wird. Sie, die verdienstreichen Vorgesetzten, haben die Pflicht, alle Arbeiter und Beamten, die auf den Gütern des Nationalfonds Ihnen unterstellt sind, durch sehr energischen Befehl und strengen Verweis zu bewegen,, diesen ihren Weg zu verlassen und fortan allem, was Israel heilig ist,, mit Achtung und Respekt zu begegnen und sich vor jeder Entweihung; des heiligen Tages zu hüten.