Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 118)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 118 - Männer, welche an der Spitze der Verwaltung des Nationälfonds stehen, sich von der Entwicklung unserer Einrichtungen in Palästina persönlich zu überzeugen. Darum habe ich auch die Absicht, in kurzem selbst eine Inspektionsreise nach Palästina zu unternehmen. Eine neue Schwierigkeit taucht nunmehr für unsere Verwaltung auf, die ich nicht unterlassen möchte an dieser Stelle zu erwähnen. Seitens der Misrachi wird Klage darüber geführt, daß die Arbeiter in Palästina und auch solche, die auf den Nationalfondsgütern angesiedelt sind, durch ihr öffentliches Auftreten die religiöse Empfindung eines großen Teiles der jüdischen Bevölkerung Palästinas verletzen. Das Bureau der „Misrachi" tritt an uns mit der Frage heran, welche Schritte wir tun und getan haben, um derartige Mißstände zu verhüten. Ich muß nun zunächst sagen, daß uns von einem verletzenden Verhalten von Arbeitern auf Nationalfondsländereien nichts bekannt geworden ist. Ich muß aber auch deutlich erklären, daß ich nicht glaube, daß der J. N. F. berechtigt ist, eine religiöse Polizei über die auf den Ländereien des Nationalfonds oder sonst in Palästina angestellten Arbeiter auszuüben. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen — Zurufe: Das hat niemand verlangt!) Aber Sie werden es verlangen. Ich erkläre — wenn es nicht verlangt werden sollte, um so besser — daß dies unmöglich ist. Eine Formel, die ich vertreten könnte, dürfte vielleicht dahin lauten, daß unsere Bureaus und Verwaltungseinrichtungen so beschaffen sein müssen, daß jeder gesetzestreue Jude ohne Beeinträchtigung seiner religiösen Ueberzeugung auf unseren Besitzungen leben und arbeiten kann. Wir können die Vorbedingungen schaffen für die religiöse Freiheit auch des allerfrömmsten Juden, aber nicht für einen Zwang, durch den wir die Gewissensfreiheit des Einzelnen beschränken würden. (Lebhafter Beifall.) Es gibt eine einfache Möglichkeit für die gesetzestreuen Zionisten, dem von ihnen gerügten Mißstand ein Ende zu machen, nämlich daß teich gesetzestreue Arbeiter in großer Anzahl der Kolonisation in Palästina widmen und der Einfluß dieser Elemente maßgebend wird. Ich möchte aber doch hervorheben, damit kein Irrtum hieraus entsteht, daß auf allen unseren Besitzungen die strengste Sabbatrühe an Sabbaten und Feiertagen herrscht (Zurufe: in der Theorie), soweit unsere Verwaltungsorgane darauf Einfluß haben (Widerspruch von den Misrachi), und daß wir auch darauf achten, daß die religiösen Bestimmungen bezüglich des Schmittah-Gesetzes eingehalten werden können. Die Misrachi haben aber auch keinerlei "Veranlassung, mit unserem Verhalten ihnen gegenüber unzufrieden zu sein. Wir sind denselben in der Frage der Bildung einer Kolonie aus gesetzestreuen Juden aufs weitgehendste entgegengekommen. Leider waren unsere Bemühungen in dieser Richtung bis jetzt ohne jeden Erfolg. Den Misrachi ist es bis jetzt nicht gelungen, das erforderliche Minimum von 50 000 Frcs. aufzubringen, welches nötig gewesen wäre, um diese Kolonie mit Inventar und nötigen Einrichtungen zu versehen. Wenn es dem Misrachi gelingen würde, mehr positive Kolonisationsarbeit in Palästina zu leisten, dann würden auch vermutlich diese Klagen aufhören, da dann die Anhänger der gesetzestreuen Richtung selbst mit der praktischen Arbeit zur Erhaltung und zum Ausbau ihrer Siedelungen genug zu tun haben werden. (Beifall.) Zum Schlüsse gestatten Sie mir noch, den Wunsch zu äußern, daß di£ schöne «Entwicklung, welche der Nationalfonds bis jetzt genommen hat, nicht durch eine allzu heftige Kritik gestört werden möchte. Die Möglichkeiten dieser Entwicklung sind ganz unbegrenzte. Wenn ich auch zu Eingang meiner Ausführungen betont habe, daß wir ein Rekordjahr zu verzeichnen haben, so könnte doch der Fonds eine vielfach höhere Bedeutung erlangen, als es heute der Fall ist, wenn wir alle Kräfte hierfür einsetzen wollten. Bedenken Sie, wenn in der ganzen : Welt nicht mehr geleistet würde, als was jetzt an Agitationsarbeit in Südafrika und Belgien geschieht,