Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 116)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 116 - schlage treffen zum Teil die früheren Bemerkungen zu, daß sie sich nicht streng im Rahmen unserer Zweckbestimmung bewegen, zum Teil sind sie sehr beachtenswert. Es mag aber darauf hingewiesen werden, daß die Beträge, welche wir jetzt schon für palästinensische Aufgaben festgelegt haben nach dem Maßstab der gegenwärtigen Vermehrung unseres Fonds, eine dreijährige eifrige Sammelarbeit aller unserer Sammelstellen erfordern würde. Nach unseren bisherigen Erfahrungen wird aber kaum ein Jahr vergehen, ehe sich schon weitere Verwendungsmöglichkeiten in -dieser Richtung von selbst ergeben. Darüm ist es überflüssig, sich schön jetzt hierüber den Kopf zu zerbrechen. Seit ich an der Spitze des J. N. F. stehe, ist noch kein Pfennig, um den sich das Vermögen des Nationalsfonds durch die Sammlungen vermehrte, für einen anderen Zweck verwendet worden, als für Kolonisationsarbeiten in Palästina. So wünschenswert für uns die Förderung aller Kolonisationsunternehmungen in Palästina ist, müssen wir auch bald wieder daran denken, einen Teil unserer Gelder anzusammeln, wozu wir schon auf Grund unserer Statuten verpflichtet sind, wonach ein Viertel unseres Kapitals in leicht flüssig zu machenden Werten dauernd anzulegen ist. Es ist manchmal nötig, weise Selbstbeschränkung zu üben, und wenn sich das Direktorium darauf beschränkt, diejenigen Projekte gründlich zu prüfen, welche das Palästinaamt uns empfiehlt, hat es reichlich genug zu tun und nicht nötig, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was wir mit den Geldern anfangen sollen, die wir noch gar nicht haben. Ich muß mich auch gegen den Vorschlag aussprechen, neue Fonds für Kolonisation und Kulturarbeit zu gründen, welche geeignet sind, die Werbetätigkeit des Nationalfonds einzuschränken. Wir haben jetzt so vielerlei gemeinnützige Fonds und wirtschaftliche Unternehmungen, auch einen Kulturfonds, daß es wirklich nicht nötig ist, noch einen neuen Fonds für derartige Zwecke zu schaffen. Nicht die Gründung neuer Fonds ist ein Erfordernis, sondern der Ausbau der bestehenden Einrichtungen, dies kann nicht deutlich und dringend genug wiederholt werden. In einer Aeußerung Prof. Weizmanns in der „Jüdischen Rundschau", daß die Richtlinien unserer Arbeit im Kongreß festgelegt werden sollen, scheint mir nur eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Erfolg unserer Tätigkeit zum Ausdruck zu kommen, da doch kein ernster Realpolitiker erwarten kann, daß in dieser Hinsicht mehr getan wird, als durch meine früheren Erklärungen auf dem Haager und Hamburger Kongreß geschehen ist. Es ist nämlich meine Meinung, daß es besser ist, etwas zu schaffen, als darüber zu reden. Man könnte uns höchstens den Vorwurf machen, daß wir noch viel zu viel Lärm von unserer Arbeit schlagen. Wenn ich auch nicht das Wort ohne Einschränkung unterschreibe, daß die Zionisten die besten sind, die am wenigsten reden. Wir könnten vielleicht noch viel bescheidener sein. Denn im Grund sind es doch nur winzige Samenkörner, die wir ausstreuen. Diese Unzufriedenheit des Professor W e i z m a n n können wir ja sehr gut verstehen, da auch uns vieles viel zu langsam vorangeht. Wir müssen aber mit unseren Mitteln rechnen und den Schranken, welche uns die Zweckbestimmung des Fonds auferlegt. Ich komme nun zuletzt zu einigen Einwendungen, welche von Herrn M. K. in der „Hazefirah" gemacht worden sind. Herr K. tadelt die großen Ausgaben des Nationalfonds. Er meint, es wäre besser, hier zu sparen. Wir wären Herrn K. sehr verbunden, wenn er uns den einzelnen Posten unseres Budgets angeben möchte, bei welchem wir mit der Sparsamkeit beginnen sollen. Ich glaube nicht, daß Herr K. damit einverstanden wäre, daß wir "unsere Sparsamkeit mit der Einziehung unseres Beitrages für das Palästinaamt beginnen würden, das ja Herr K. selbst als eine sehr nützliche Einrichtung betrachtet. Was aber die Spesen für die Sammelstellen betrifft, die einen großen Posten unserer Ausgaben ausmachen,