Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 115)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 115 - Organisation außerordentliche Vorteile genießt. Es ist selbstverständlich, daß der Nationalfonds ohne diese allgemeine Organisation und ihre Funktionäre in den verschiedenen Ländern überhaupt nicht existieren könnte. Es ist aber hierbei zu berücksichtigen, daß wie bei jeder geordneten Organisation ein Rad in das andere greifen muß, wenn die Maschine arbeiten soll. Alle diese Dinge sind früher schon hervorgehoben worden und es lohnt kaum, sie zu wiederholen. Aber eines möchte ich doch nicht unterlassen, nochmals zu betonen. Die Spannkraft der zionistischen Propaganda wird wesentlich beeinträchtigt, wenn die Ueberzeugung allgemein wird, daß der Schekel nur eine Aushilfe sein soll, die Ergänzung anderer Mittel zur Erhaltung der Organisation. (Beifall.) Wenn es notwendig ist, wird man die Steuerschraube einfach etwas höher anziehen. Dem wird man dann nicht entgegenhalten können, daß auf diese Art die Mittel des J. N. F. völlig seinem Zwecke entzogen werden. Denn hat man einmal diesen Weg beschritten, so ist <es unmöglich, sich später auf dies prinzipielle Bedenken zu berufen. Nichts ist leichter, als so unter Umgehung des Zweckes des Nationalfonds die Gelder desselben für alle möglichen anderen Unternehmungen zu verwenden und alle Mühe und Arbeit, welche die bewährtesten Führer unserer Bewegung daran gesetzt haben, um den Fonds ein für allemal auf die sichere Grundlage seiner Zweckbestimmung zu stellen, wird vergeblich gewesen sein. Hier muß man denjenigen, die hierauf hinarbeiten, entgegenrufen: „Caveant consules ne quid detrimenti capiat fundus noster Judaicus." Deshalb habe ich aber auch schwere Bedenken, ob das Direktorium die Veranwortung für die Durchführung eines solchen Beschlusses übernehmen könnte. Trotzdem möchte ich diesem formellen juristischen Moment nicht die ausschlaggebende Bedeutung geben. Wenn aber dieser Beschluß als ungesetzlich erachtet würde und wirkungslos bleiben müßte, wäre dies ein Fiasko, dem wir den Kongreß unter keinen Umständen aussetzen dürfen. Ein Mittel der Besteuerung dieser Institution dürfte überhaupt erst dann versucht werden, wenn alle anderen Mittel versagt haben, die notwendigen Geldquellen für die Erhaltung unserer Bewegung zu eröffnen. Solange man nicht die Propaganda intensiv ausgestaltet, solange man nicht neben dem Schekel den Jahresbeitrag der Mitglieder der Bewegung, die zu einer freiwilligen Steuer in der Lage sind, eingeführt hat, so lange hat man kein Recht, auf das Mittel der Besteuerung der Institutionen zurückzugreifen. Sonst führt es dazu, daß selbst der Führer der deutschen Landsmannschaft, Herr H a n t k e, sich zu der Behauptung versteigen konnte, der Fonds gehöre dem E. A. C. Nein, er gehört dem jüdischen Volk (lebhafter Beifall) und wir, die Verwalter, sind dem großen A. C. und damit auch dem Kongreß für die treue Verwaltung gemäß seinem Zwecke verantwortlich. Unsere Leitung wird gewiß zu diesem Mittel nicht greifen. Wer nicht das Vertrauen in die Werbekraft unserer Bewegung und in seine eigene Fähigkeit hat, die frische Quelle der Begeisterung wieder fließen zu lassen, die uns in den Werdetagen des politischen Zionismus erfüllt hat, verdiente es nicht, durch das Vertrauen des Kongresses in die Leitung der zionistischen Weltorganisation berufen zu werden. Ich bitte Sie alle, etwaigen Versuchen, die Besteuerung des Nationalfonds einzuführen, mit Entschiedenheit entgegenzutreten. (Beifall.) Die Nationalfondsverwaltung hat aber nicht nur eitel Lob geerntet, sondern auch im Laufe der verflossenen Jahre einige Kritik erfahren. Es scheint, daß man in einzelnen Kreisen der Auffassung huldigt, daß der Nationalfonds noch nicht genug im Rahmen seiner Zwecke in- Palästina getan hat. So hat Herr Professor Warburg der Nationalfondsverwaltung a Vorschläge unterbreitet, welche Verwendungsmöglichkeiten sich in dieser Richtung noch weiter für den Fonds ergeben würden. Auf diese Vor- 8*