Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 114)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 114 - die Sammlungen für die Oelbaumspende und die Verwaltung des Fonds selbst übernommen und weist die für die Pflanzungen erforderlichen Gelder gemäß dem Beschlüsse des Vorstandes der Oelbaumspende an. Immerhin hält es die Nationalfondsverwaltung für ihre Pflicht, bei diesem ihr so nahestehenden Unternehmen mit dem Palästina-Ressort darüber zu wachen, daß eine geordnete Geschäftsgebarung stattfindet. Sie hat deshalb eine Inspektion über unsere Oelbaumpflanzungen veranlaßt, aus der hervorzugehen scheint, daß sich dieselben in einer normalen Entwicklung befinden, wenn wir auch noch miti den Schwierigkeiten einer ersten Versuchsperiode rechnen müssen. Die Festlegung auf eine mathematische Grenze der Kosten eines Oelbaumes möchte ich aber auch Herrn Professor Warburg noch nicht empfehlen. Die J. N. F. Verwaltung hat durch eingehende Korrespondenz mit dem Leiter des Palästinaamtes dafür Sorge getragen, daß die Ausgaben nach einem jährlichen Voranschlag eingerichtet werden und eine Ueberschreitung dieses Budgets nur in Ausnahmefällen stattfinden darf. Wir hoffen auf diese Art zu erreichen, daß die Arbeiten im Rahmen unserer finanziellen Kraft geleitet werden und die Kosten der Verwaltung im Verhältnis zu den Leistungen stehen. Der gegenwärtige Zustand ist noch nicht ganz zulänglich und hat zur Erörterung von Kompetenzfragen zwischen den einzelnen Verwaltungen Veranlassung gegeben. Wir halten es darum auch für unsere Pflicht, die Einflußsphäre des Nationalfonds gegenüber diesen Verwaltungen klarzustellen, damit Mißverständnisse und hieraus fließende Verstimmungen vermieden werden. Die wichtigste Frage, welcher die Nationalfondsverwaltung nunmehr gegenübersteht, ist die einer geplanten Besteuerung von 10 o/o seiner Einnahmen zugunsten der Organisation. Es wäre gewiß ein sehr bequemer Weg für die Zentralleitung der Bewegung, wenn ihre Mittel aus Schekelgeldern nicht ausreichen, in die Kasse des Nationalfonds oder der Bank zu greifen und ihren Bedürfnissen daraus Befriedigung zu schaffen. Ich halte aber diesen Ausweg für einen sehr gefährlichen Weg, für einen Holzweg schlimmster Sorte. Es ist ein Irrtum, wenn man annimmt, daß man auf diese Art mit einem bestimmten und im voraus abschätzbaren Einkommen rechnen könnte. Im Gegenteil ist mit aller Bestimmtheit zu erwarten, daß in dem Augenblick, in dem die Besteuerung des Nationalfonds beschlossen wird, die Einnahmen wesentlich zurückgehen und infolgedessen auch die Einnahmequelle der Besteuerung versickern wird. Ich bin der Ueberzeugung, wenn die Spenden für organisatorische Zwecke und nicht unmittelbar für Zwecke der Kolonisation in Palästina gesammelt werden, eine Haupttriebfeder für die Popularität der Sammlungen des J. N. F. versagen wird. Man möge das Imponderabile des moralischen Momentes nicht vergessen, das den Spender erfüllt, wenn er seine Spargroschen dem J. N. F. widmet, um Grund und Boden in Palästina zu erwerben. Es ist auch ein Irrtum, der widerlegt werden muß, als ob der Nationalfonds nicht schon heute einen erheblichen Teil zu den Kosten der Organisation beitrage. Wenn der Nationalfonds 10 o/o seiner Einnahmen den Sammelstellen überläßt, so ist ohne weiteres ersichtlich, daß die von diesen Sammelstellen entwickelte Propagandatätigkeit durch Verbreitung von Flugblättern, durch Veranstaltung von Versammlungen, durch Wort und Schrift ebensosehr der allgemein zionistischen Propaganda dient, als der speziellen Arbeit für den Nationalfonds. Ganz davon abgesehen, daß auch die -Beteiligung des Nationalfonds an wichtigen, allgemeinzionistischen Einrichtungen, wie z. B. dem Palästina-Amt in Jaffa, sowie an der „Welt", als eine Beteiligung an den Kosten der allgemeinen Organisation zu betrachten sind. Wenn man das Fazit dieser Summe zieht, so wird sich ergeben, daß diese Ausgaben auch heute schon einen bedeutenden Prozentsatz ausmachen. Es soll nicht bestritten werden, daß der Nationalfonds auch seinerseits durch die Einrichtungen der allgemeinen