Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 102)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476274--3647-3479789- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 102 - Punkten richtig ist, bin ich dankbar; denn ich habe jetzt die Möglichkeit, verschiedene Mißverständnisse aufzuklären und unrichtige Behauptungen richtig zu stellen. Geschieht dies nicht, dann laufen die Dinge immer weiter, und darunter leidet nicht nur die Leitung, sondern die gesamte Bewegung. Herr P a s m a n i k hat einige Fragen gestellt, auf die ich noch zurückkommen werde. Besonders aber hat er an meinem Kollegen^ Herrn Jakobus Kann Kritik geübt wegen seines an den Kongreß gerichteten Briefes. Er fragte, ob dieser Brief dem A. C. vorgelegn hat. Ja, Herr P a s m a n i k, alle Reden, die Sie heute gehalten haben und auf dem Kongreß in Hamburg, haben auch nicht dem A. C. vorgelegen; und Herr Kann, der leider nicht hier sein kann, ein Mann, der sechs Jahre an der Spitze der Bewegung gestanden hat, würde doch auch ein Recht haben, hier zu reden. Wäre er hier gewesen, so hätte er genau dieselben Ausführungen gemacht und sie wären dann in der „Welt" abgedruckt und ins Protokoll gekommen. Da er nicht hier sein konnte, hat er sich an mich, seinen Kollegen, gewandt und mich gebeten, seinen Briet hier vorzulesen. Herr Kann hat es nicht getan, um zu zanken und zu streiten; er hat es getan, damit die Dinge, die nach seiner Ansicht nicht gut gemacht sind, besser gemacht werden. Ich möchte vorausschicken, daß Herr Kann genau so wie ich Herrn Professor W a r b u r g als Menschen und Zionisten hochschätzt; Herr Prof. Warburg genießt unsere größte Hochachtung, und gerade deshalb wollen wir ihn von den kaufmännischen Geschäften entlasten. Wir wollen, daß er für unsere Bewegung das bleibt, was er wert ist, und wir wollen ihn nicht mit kaufmännischen Dingen belasten, die lieber ein Kaufmann machen soll, als Herr Professor Warburg. Er sagte vorhin selbst: ich verstehe von kaufmännischen Dingen nichts, aber Herr Awadiowitz gibt mir den Rat. Herr Kann ist der Meinung, daß wir andere Leute zu Rate ziehen müssen bei aller Achtung vor Herrn Awadiowitz. Wir haben eine Reihe von kaufmännisch geschulten Männern: einen Katzenelsohn, einen Kann, einen W o 1 f f - söhn und manche andere, denen Sie kaum Ihr Vertrauen schenken — und ausgerechnet zu diesem einzelnen Herrn Awadiowitz sollen wir das Vertrauen haben? (Beifall und Händeklatschen.) Nun hat Herr P a s m a n i k gesagt — und das möchte ich mit der größten Entschiedenheit zurückweisen — daß Herr Kann etwas behauptet hat, das der objektiven Wahrheit nicht entspricht, was den Anschein haben könnte, als wenn es der Wahrheit nicht entspräche. Geehrter Kongreß! Von der ersten Stunde an arbeitete ich Seite an Seite mit Kann. Er war schon zum ersten Kongreß als Delegierter gekommen. Als wir die Bank gründeten, stellte er sich an unsere Seite und hat uns als Bankier vorzügliche Dienste geleistet und mit uns schwer und redlich gearbeitet. Ich will Ihnen etwas erzählen, was Kann am besten charakterisiert. Es waren Differenzen zwischen dem Direktorium und dem Aufsichtsrat ausgebrochen; denn unser H e r z I hatte in einer Beziehung genau dieselben Eigenschaften wie W a r b u r g , nämlich, daß er von kaufmännischen Dingen wenig verstand. Es kam also zu Differenzen und Kann ist gegangen. Aber von derselben Stunde an hat er mit mir weiter gearbeitet, genau in derselben Weise wie früher, ohne daß jemand eine Ahnung davon hatte. Ueber drei Jahre hat Kann bei der Bank gearbeitet, ohne Titel, ohne Rechte, und wie hat er gearbeitet! Ich habe ihm alle Sachen eingeschickt und er hat alles getan, was ich von ihm für die Bank verlangte." Und als H e r z 1 nachher das erfahren hat, und wir zusammenkamen, da hat er ihm die Hand gedrückt und Tränen sind ihm in die Augen gestiegen ob einer derartigen Treue. (Stürmischer Beifall.) Die stärkste Charaktereigenschaft K a n n s ist die, daß er ein grundehrlicher Mensch ist, daß er stets nur die Wahrheit sagt, und daß er, ganz gleich, ob er damit jemandem