Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 103)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 103 - wehtut oder nicht — das ist die einzige scharfe Ecke an Kann — die Wahrheit gerade heraussagt ohne irgendwelche Rücksicht, wenn es um ernste Dinge geht, wenn es gilt, die zionistische Sache zu verteidigen. Daß die Berichte des Palästina-Amtes jetzt angekommen sind, zwei Tage, bevor der Kongreß eröffnet wurde, das konnte er nicht wissen und deswegen darf ihm kein Vorwurf gemacht werden. Nun will ich Ihnen zeigen, wie manche Sache nicht verstanden wird. Herr P a s m a n i k sagt: nachdem wir jahrelang gefordert haben, daß die Gelder nach Palästina herübergehen, kommt jetzt Kann und hat diese Idee aufgegabelt! Ja, Herr Pasmanik, der Unterschied zwischen uns, die in der Leitung sind und den andern ist der: wir arbeiten und die andern reden! (Stürmischer Beifall und Widerspruch.) Vor vier Jahren . . . (Fortwährende Zwischenrufe und Lärm.) Beruhigen Sie doch den alten Herrn da; der schreit ja noch seit Hamburg. (Unruhe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich bitte fortzufahren. Präs. Wolffsohn: Vor vier Jahren hat bereits Dr. Jacobson bei uns den Antrag gestellt, daß wir die Jüdische Kolonialbank und die Anglo Palestine Company zu einer großen Bank vereinigen. Wir hatten den Plan überlegt und studiert: wir können nicht so rasch von der Stelle kommen, der eine von unseren Direktoren sitzt in Jaffa, der andere in Moskau, der dritte in Haag und so weiter, wie die Verhältnisse nun einmal bei uns liegen. Wir haben also diese Sache schon längst studiert und bearbeitet und sie war keineswegs die Idee oder die Erfindung des Herrn Simon, der einen ähnlichen Antrag auf dem Hamburger Kongresse gestellt hat. Daß wir darüber nicht öffentlich gesprochen haben, ist doch selbstverständlich. Wenn Banken irgendwelche Projekte haben, gibt man sie doch nicht in die Zeitungen, ehe sie fertig sind. Wenn wir die Sache vollführt haben, werden wir sie vortragen. Ich führe dies als Beispiel an für die Art, wie mißverständliche Auffassungen entstehen. Nun sprach Herr Dr. Pasmanik von der Vertiefung des Zionismus — Herr Böhm und andere haben von der Breite und Tiefe des Zionismus gesprochen und davon, daß wir mehr Initiative ergreifen müßten usw. Geehrter Kongreß! Ich gestehe Ihnen ganz offen, ich spreche überhaupt nicht gerne darüber, ich verstehe nicht recht, was damit gemeint ist, ob die andern es verstehen, weiß ich nicht. (Lebhafte Heiterkeit — Zustimmung — Widerspruch.) So lange man mir nicht einen positiven Vorschlag macht und sagt, was ich tun soll, was ich ergreifen soll, was dabei herauskommen soll, wie man vertiefen soll, solange weiß ich mit derartigen Redensarten nichts anzufangen. Ich habe gewartet, daß vielleicht Herr Dr. Pasmanik sagen werde, was geschehen soll, ich habe aber nichts davon gehört. „Vertiefung", „Verbreiterung" — das sind allgemeine billige Redensarten, wenn man nicht zugleich sagt, wie das geschehen soll. Und nun interpellierte mich Herr Dr. Pasmanik in der Affaire Eisenstadt. Es ist mir unangenehm, daß ich darüber sprechen muß. Einige Direktoren der Bank haben mich sogar gebeten, ich solle es nicht tun. Ich bin aber der Ansicht, daß wir eine derartige direkte Anfrage beantworten müssen. Und so will ich es ganz kurz tun. Herr L e v o n t i n kam nach Jerusalem und hat in der Bank einige Unregelmäßigkeiten vorgefunden, bezüglich welcher er Herrn Eisenstadt, der als Kassierer angestellt war, befragte. (Lebhafte Zwischenrufe.) Herr Eisenstadt ist aufgesprungen und hat Herrn Levontin in Gegenwart von Zeugen nicht nur grob angefahren, sondern hat den Schlüssel hingeworfen und gesagt: Ich kündige! (Lebhafte Rufe: hört! hört! — Zwischenrufe — Delegierter S c h e i n k i n: Nicht richtig!) Herr S c h e i n k i n , ich bitte . . . (Lärm.)