Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 101)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 101 - alten Zeit, wie vor 10, 12 Jahren, wo wir mit Projekten gekommen sind, die unser Herz vor Freude hüpfen machten. Er hat vorgeschlagen, daß wir einen Dampfer bauen; auch HerzI hatte dieselbe Absicht, und es ist auch mein innigster Wunsch, daß wir einmal auf einem eigenen großen Dampfer vielleicht mit dem ganzen Kongreß nach Palästina hinüberführen. (Beifall.) Und mein innigster Wunsch ist es, daß die zionistische Flagge auf einem eigenen Dampfer ,für uns gehißt werde. Aber heute ist es noch zu früh. Herr Rabinersohn ist sogar soweit gekommen, dem Schiff einen zionistischen Kapitän und zionistische Mannschaft zu geben 1 Ich glaube, das wird so rasch nicht gehen. Es könnte eine große Landsmannschaft kommen und verlangen ein Kollegium für den Kapitän (stürmische Heiterkeit) — meine Herren, Sie haben ja noch nicht zu Ende gehört: Ein Kollegium mit dem Sitze in Berlin. (Erneute Heiterkeit.) Es ist ganz gut, daß wir derartige Ideen haben, es ist ganz gut, daß auch unsere Phantasie ein bißchen weit vorausgeht, und es ist auch ganz gut für diejenigen, die arbeiten, daß sie ihren Blick in die Weite richten, und auch Bilder sehen, die vielleicht nicht ganz der Wirklichkeit entsprechen. Wäre unser H e r z 1 nicht auch ein Dichter gewesen, wäre er der trockene, praktische Mann gewesen — ich glaube, er hätte die ganze Sache nicht unternommen. Vorläufig müssen wir aber derartige Wünsche zurückstellen. Ich habe mich aber dennoch gefreut, daß auch jetzt unter uns Leute sind, die solche Wünsche vorbringen, und es wird auch, wie ich hoffe, eine Zeit kommen, in der diese Leute an der Erfüllung dieser Wünsche mitarbeiten werden. (Beifall.) Dann kam Herr L a s k e r aus Toronto, der jetzt in Palästina war, und brachte uns seine Klagen vor. Wo in aller Welt hat er die 1100 Arbeiter hergenommen, die aus Palästina im letzten Jahre ausgewandert sind? Ich wäre glücklich, wenn wir 1100 Arbeiter in Palästina überhaupt hätten! Herr Lasker, wir haben ein altes Wort: „Awira d'erez jisroel machkim": Das Klima in Erez Israel macht klüger! Nach meinen Erfahrungen müßten wir eher sagen, „magsim", daß das Klima in Palästina zum Uebertreiben bringt: (Sehr richtig!) Sie dürfen nicht alles glauben, was von dort erzählt wird; glauben dürfen Sie aber, was Ihnen unser Dr. R u p p i n, unser Levontin, unsere Bank und unser Palästinaamt sagt. Leider Gottes müssen wir feststellen: die Herren, die nach Palästina gehen, hören selten auf unsere Beamten, die doch dazu da sind, ihnen Auskünfte zu geben; die Herren hören lieber auf das, was auf der Straße erzählt wird, und da hören sie ganz merkwürdige und unglaubliche Dinge. Ich wiederhole noch einmal, es ist ganz unmöglich, daß 1100 Arbeiter ausgewandert wären. Wohl habe ich keine Statistik darüber zur Hand, aber von einer solchen horrenden Zahl kann absolut keine Rede sein. Herrn Kaplansky, der eigentlich auch nur über Palästina gesprochen hat, ist ja bereits erwidert worden; nur ein Wort. Herr Kaplansky sagte — ich irre wohl nicht, wenn ich bemerke, er ist der Präsident der Poale Zion — er sagte: Wir müssen eine Verständigung mit 'den arabischen Kreisen suchen. Ich habe dahinter halblaut „Bravo\u gerufen — vorsichtig, weil ich nicht wußte, was noch kommen wird (Heiterkeit), aber es kam sehr gut, er blieb bei diesem Satz stehen. Vollkommen richtig ist es; aber dann möchte ich Herrn Kaplansky bitten, er möge auf seine Freunde unter den Poale Zion in Palästina wirken, daß auch sie eine Verständigung mit den Arabern suchen. (Beifall.) Jetzt, geehrter Kongreß, komme ich zu dem letzten Redner, bei dem sich das Wort bewahrheitet hat: die ersten werden die letzten sein. Herr Pasmanik war in Hamburg der erste Redner gegen den Bericht, diesmal war er der letzte! Und er hat inzwischen auch gelernt; das ist keine Schande, ich habe auch in der Zeit gelernt. Er hat in der Zwischenzeit gelernt, wie man Kritik übt. Solcher Kritik, wenn sie auch nicht in allen