Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 100 (sequence 100)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476274--3645-3479787
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 100 — anderen, die das Umgekehrte sagen — ich verstehe das nicht. Aber ich bitte nur die Herren, zu glauben, daß die Männer in der Leitung mindestens ebensogute Zionisten sind, wie die anderen Zionisten, die hier im Saale sind. (Beifall.) Dr. D a i c h e s hat zum Frieden gemahnt. Er war entsetzt, daß man hier überhaupt Kritik geübt hat! Ja, den Frieden wollen wir alle; aber wir wollen auch leben, und leben heißt kämpfen. Nie ist es mir eingefallen, oder wird mir einfallen, mich gegen die Kritik auszusprechen. Eine Kritik muß geübt werden, aber sie muß sich in den richtigen Grenzen halten; wir wollen eine Kritik; die Kritik muß aber eine freundschaftliche sein, die den Zweck hat, etwas zu verbessern, aber nicht zu verbittern. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Um Ihre Zeit nicht zu lange in Anspruch zu nehmen, werde ich über die Programmrede des Herrn Dr. Hantke und über die Rede des Herrn Dr. Werner kurz hinweggehen; ich wüßte auch nicht, was ich darauf zu antworten hätte. Ebenso werde ich rasch hinweggehen über die Dinge, auf die die Herren Prof. Warburg und Dr. Thon bereits für das Palästinaressort geantwortet haben. Ich möchte nur dem Herrn Dr. Reich, der hier ein Wort hat fallen lassen — und es ist 'mir berichtet worden, daß dieses Wort auch in Palästina beinahe zum Schlagwort wird — erwidern. Er sprach davon: man muß den Mut haben, auch schlechte Arbeit zu machen. Das ist ein Mut, den ich allerdings bewundere, aber ein Mut, bei dem man das Genick brechen kann. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir sollen den Mut haben, zu arbeiten, wir sollen den Mut haben, etwas zu unternehmen; wenn wir aber sehen, daß etwas schlecht ist, dann müssen wir den Mut haben, diese Arbeit nicht nur nicht ,zu beginnen, sondern, wenn wir sie begonnen haben, sie einzustellen. Wir dürfen aber nicht sagen, es ist ganz gleich, welche Arbeit geleistet wird, wenn es nur Arbeit in Palästina ist. (Zustimmung.) Wenn wir so wirtschaften werden, dann könnten wir wirklich Gefahr laufen, daß wir bald nicht mehr arbeiten können. Im Gegenteil: lieber weniger, aber was wir machen, muß gut sein! (Stürmischer Beifall.) Ist es dann gut gemacht, dann zieht das zehn neue Sachen nach sich. Das Vertrauen müssen wir erst haben. Die ganze Welt muß zu uns Vertrauen bekommen, und wenn wir uns .Vertrauen erworben haben, dann können wir weitermarschieren, nicht eher! (Beifall.) Dr. Reich sprach auch über die politischen Verhältnisse. Ich habe es bedauert — ich will darauf nicht eingehen. Mein Standpunkt ist Ihnen nicht neu. Wenn ich über ihn noch einige Worte sage, so ist es nur, weil wir jetzt eine neue Leitung bekommen. Ich bin der Ansicht, daß uns Zionisten unsere eigenen, rein zionistischen Angelegenheiten gerade genug zu tun geben, um unsere ganze Kraft zu fordern und uns iden Wunsch zu nehmen, uns in Dinge zu mischen, die uns als Weltorganisation nichts angehen. Das ist meine Ansicht. Ich will es jetzt aussprechen, da ich zurücktrete, daß es ein Ding der Unmöglichkeit ist, daß der Zionismus sich mit der Politik des ganzen Erdballs befassen soll. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich muß es aussprechen: daß wir Gefahr laufen, daß wir dabei hie und da jn Konflikt kommen mit uns selbst, daß die Zionisten in dem einen Lande oft für die entgegengesetzte Politik arbeiten müssen wie in einem anderen Lande. Ich will auch aufmerksam machen auf die Gefahr, daß wir dabei mit verschiedenen Regierungen in Konflikt kommen könnten. Wir haben schon genug zu leiden; wir müssen für uns sorgen und für unsere Idee. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich komme nun zu Herrn Rabinersohn. Die Rede des Herrn Rabinersohn, den zu begrüßen wir hier das erstemal das Vergnügen haben, hat mir wirklich Freude gemacht; es war so ein Zug darin wie aus der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.