Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 96)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 96 — E. A. C. an einem Teile der Tätigkeit des E. A. C, der ihm nicht untersteht, in einem allgemeinen Schreiben Stellung zu nehmen. (Sehr richtig!) Mir liegt es nicht ob, diese Frage hier zu entscheiden. Ich habe aut Einzelheiten einzugehen, und daß muß ich erklären, ich bedaure, dab Herr Kann hier unbestimmte Angriffe gegen einen Kollegen im E. A. C. schleudert, ohne sich von der Richtigkeit derselben überzeugt zu haben. (Sehr richtig, hört hört!) Daß Herr Kann und ich verschiedenen Prinzipien huldigen, das wußten wir beide längst, und das hätte auch nicht viel geschadet. Er ist dafür, daß man, ich möchte sagen, von einer Seite einen starken Angriff gegen die von uns gemeinsam zu erobernden Positionen macht und dann wartet, welchen Erfolg der Angriff hat, und hat er einen günstigen Erfolg, dann weitergeht. Das ist sein Prinzip, und ich verfolge das Prinzip, daß man, wenn man eine Festung erobern will, Batterien auf verschiedenen Seiten aufstellte und überall Breschen zu legen versucht, um dann dort, wo Breschen entstanden sind, mit aller Macht anzugreifen. Das ist eine Differenz in der Strategie, wie sie auch beim Militär hie und da vorkommen wird. (Heiterkeit.) Darüber läßt sich sprechen, diskutieren ev. durch eine Majorität entscheiden usw. Wenn er aber sagt, daß dieses Prinzip — und das will er jedenfalls in dem Briefe beweisen — daß dieses Prinzip, welches ich angewendet habe, verkehrt ist und sich nicht bewährt hat, dann muß er doch auch die Tatsachen nennen. Nun habe ich mir natürlich überlegt, erstens, auf welche Tatsachen könnte er eventuell exemplifizieren? Und zweitens: Ist das, was er an die Stelle setzen will, besser. Ich bin die Tätigkeit unserer Institutionen durchgegangen und will nur eine kurze Uebersicht davon geben. Sie werden sehen, ein großer Teil der Unternehmungen scheidet von vornherein aus. Herr Kann sagt — uind das ist sein Hauptvorwurf — es sind kleine, lebensunfähige und schwache Unternehmungen, und keine der vielen Unternehmungen hat sich konsolidiert. Er verlangt daher die Gewähr, daß sie nach kaufmännischen Grundsätzen sichergestellt und geleitet werden. Auf die Vereine kann das nicht gut passen. Der Verein jüdischer Frauen verbraucht nur das Geld, das er erhält; der Verein für Palästinaforschung kann auch nicht gemeint sein. Anders ist es mit dem Verein Oelbaumspende. Als Konsolidierung verlangt Herr Kann, daß die Verwaltung der Oelbaumspende durch den N. F. erfolgt. Das geschieht ja aber schon; nur in der ersten Zeit war es nicht der Fall. Das A. C. — und besonders Herr Kann —, wünschte, daß die Oelbaumspende mit dem N. F. vereinigt würde; es ist geschehen und hat sich auch bewährt. Meiner Ansicht nach geht es freilich nicht besser als früher, sondern eher etwas schlechter, d. h. die Sammlungen sind etwas geringer geworden. Ich schiebe es darauf, daß der N. F. viele Wünsche zu befriedigen hat und nicht die Energie aut die Sammlungen für die Oelbaumspende verwenden kann, wie wir es früher getan hatten; es kann aber auch einen anderen Grund haben, jedenfalls geht es nicht besser. Die Leitung ist jetzt genau so wie früher in den Händen des iPalästinaamts, d. h. von Dr. R u p p i n. Nun hat Herr Kann seit längere Zeit Bedenken geäußert, daß die Sache drüben nicht richtig gehandhabt wird. Da bin ich wirklich einigermaßen Fachmann, weil ich in der Leitung vieler ähnlicher Gesellschaften in den deutschen Kolonien stehe, gleichfalls speziell von Baumpflanzungen. Ich weiß, daß fast bei jeder Gesellschaft, die sich mit Baumpflanzungen abgibt, in der ersten Zeit Ueberschreitungen des Voranschlages vorkommen, die aber nichts Beunruhigendes haben, weil die Mehrausgabe fast immer später wieder eingeholt wird. Sehr häufig kommt einer meiner Kollegen und wundert sich darüber, daß man im ersten oder zweiten Jahre 'soviel Geld verbraucht hat, und dann pflege ich ihn immer zu trösten: Wenn wir nur ordentliche, tüchtige Leute haben, so wird das