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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 95

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 95 (sequence 95)
Language
German, English, Hebrew
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— 95 — beseelt sind von dem großen Wunsche, in unseren Reihen den Frieden zu schaffen. Im Namen der Zionisten der ganzen Welt und auch vielleicht der nichtoffiziellen Zionisten, denen es wehe tut, wenn sie sehen, daß im zionistischen Lager Streitigkeiten vorkommen, erlaube ich mir, diese Bitte an Sie zu richten: Halten Sie fest an den Berliner Beschlüssen. Meine Damen und Herren! Ich habe geschlossen und hoffe und bin sogar sicher, daß diejenigen, die uns am meisten entgegenkommen werden, diejenigen sein werden, gegen die sich am vorigen Kongreß die schärfste Kritik gerichtet hat. Ich hoffe, daß Herr Wolffsohn selbst auch mitwirken wird, daß wir in Frieden alle diese Beschlüsse durchführen sollen, und dann sind wir ein Jubelkongreß. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich erteile nunmehr das Wort Herrn M o t z k i n. (Derselbe verzichtet.) Dann kommt Herr Prof. Dr. W e i z m a n n. (Derselbe verzichtet gleichfalls.) Nun erteile ich das Wort Herrn Prof. Dr. W a r b u r g. Prof. Dr. Warburg (mit stürmischem, lang anhaltenden Beifall und Händeklatschen begrüßt): Verehrter Kongreß! Die Palästinaarbeit, die ich hier zu vertreten habe, ist wenig kritisiert worden, und von der geringen Kritik ist ein Teil auch schon von Herrn Dr. Thon widerlegt worden. Beachtenswert scheint mir die Beschwerde, die von Seiten der Poale Zion vorgebracht worden ist, zu sein. Naturgemäß ist es schwer, von hier aus die Einzelheiten bei jeder Verstimmung, die da zwischen Arbeitern und Leitern von Unternehmungen eintritt, genau zu erforschen. Wir müssen da das Vertrauen zu unseren Vertretern in Palästina haben, und wir haben ja in Dr. R u p p i n einen so außerordentlich gerechten und auch dabei scharfsinnigen Vertreter, daß ich nicht zweifle, daß, wenn dort seitens der Pflanzungsleiter Irrtümer vorgekommen sind, diese in zufriedenstellender Weise auch beseitigt werden. Eine Schwierigkeit ist ja immer vorhanden. Wir haben dort noch vorläufig mit Wirtschaften zu tun, die nach dem alten System der Unternehmer und Arbeiter geführt werden, und da ist es auch kein Wunder, daß dieselben Schwierigkeiten, unter denen bei uns derartige Unternehmungen leiden, auch dort sich Wiederholen. Daneben werden ja Versuche nach anderer Richtung gemacht, und wenn diese sich dauernd bewähren, was wir hoffen, wenn die Genossenschaften, wie wir sie in Mercharja in Umdschuni und Benschamen haben, tatsächlich gezeigt haben werden, daß die Arbeiter imstande sind, diese Unternehmungen in eigener Verwaltung dauernd weiter zu führen, dann werden wir auch keine Schwierigkeiten mit den Arbeitern haben. Ich möchte daher auch die der Partei der Poale-Zion angehörenden Gesinnungsgenossen bitten, nicht immer jede kleine Beschwerde allzu tragisch zu nehmen. Wir sind alle bestrebt, einen neuen Geist in Palästina zu entwickeln und nach Möglichkeit soziale Gerechtigkeit daselbst einzuführen. Wir sind aber noch gezwungen, fürs erste zum Einlernen der Leute im alten Sinne zu arbeiten. (Lebhafter Beifall.) Ich wende mich nun zu einem anderen Punkte, der mir mehr Schmerzen verursacht, das ist nämlich die Kritik — wenn es überhaupt eine Kritik ist — die Herr Kann an die Arbeit des Palästinaressorts anlegt. Herr Kann hatte mir, bevor ich hierher reiste, einen Brief geschrieben, in dem er mir sagte, er fühle sich verpflichtet, in seinem Schreiben eine Warnung vorzubringen und hat mir auch die Stelle, die darauf Bezug hat, geschrieben. Also insofern kann man Herrn Kann, wenn man ihm Gerechtigkeit widerfahren läßt, als durchaus loyal handelnd bezeichnen. Eine andere Frage ist die, ob Herr Kann berechtigt war, als Mitglied des

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