Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 94)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 94 — Streitigkeiten untereinander ausgeglichen werden, nur dann kann man schöpferische Arbeit machen. Nun werde ich mir erlauben, hier ganz speziell nicht nur meinen Standpunkt, sondern auch den der poale-zionistischen Arbeiter, von denen ich hierzu beauftragt worden bin,, zu erklären und da Herr Dr. Thon hier manches berührt hat, muß ich Ihnen sagen: Wir brauchen die jüdische Bourgeoisie, das ist sicher, wir brauchen das jüdische Kleinbürgertum; aber zur Verwirklichung unseres Zieles brauchen wir auch die Mitwirkung des jüdischen Proletariats. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Das ist ganz sicher, rechnen Sie damit und Sie müssen, soweit es im ökonomischen Interesse liegt, diesem entgegenkommen. Es darf kein Administrator in Palästina sagen können: Ich kann mit den Arbeitern nur in einer Weise umgehen, indem ich sie niederdrücke — und das ist vorgekommen —, sondern er muß wissen, daß man die gewerkschaftliche Arbeiterorganisation anerkennen muß. (Beifall.) Palästina hat gerade nachgewiesen, was für großartige Arbeit es bei der Zuerkennung dieses Rechtes leistet. Nehmen Sie die Gruppe in Umdschuni, in Phule. Wissen Sie, wieviel Heroismus diese Arbeiter in Phule gezeigt haben? (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich werde Ihnen den Brief eines Mannes vorlesen, der die berühmte Nacht durchgemacht hat. Wissen Sie, daß diese Leute da mit ihrem Heroismus diesen festen Boden in Phule, der bisher nichtjüdischer Boden war, erobert haben und zwar für immer. (Erneuter lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Also rechnen Sie damit und Sie müssen ihnen entgegenkommen. Wir verlangen nicht, daß Sie dort sozialistische Wirtschaft treiben, wohl aber, daß Sie den sogenannten contrat social und damit die Gleichberechtigung der Arbeiter anerkennen. Ich werde mir erlauben, eine ganz kleine Interpellation an das hohe E. A. C. zu richten. Ich möchte das hohe E. A. C. «befragen, aus welchem Grunde Herr Eisenstadt, der so und so viele Jahre gearbeitet hat, nach dem 9. Kongresse, nachdem er seine gewisse oppositionelle Rede gehalten hat, ohne Grund entlassen wurde. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Unruhe.) Ich möchte darauf eine Antwort haben. Sind wir soweit gekommen? (Zwischenrufe.) Ich stelle nur die Frage. Ich weiß nicht, ob es so ist. Wenn es nicht richtig ist, werden Sie mich korrigieren. Als letzte Arbeit dieser Leitung verlangen wir, daß Sie in der Aufklärung in der Türkei nicht nachgeht, sondern vorangeht, daß sie nicht, nachdem man auf sie erst einwirken mußte, vorangeht, sondern selbst die Initiative ergreift. Diese aufklärende Arbeit ist für uns die echte politische Arbeit. Man schilt uns sogenannte praktische Zionisten, wir wären gegen den politischen Zionismus. Aber was ist politischer Zionismus? Politischer Zionismus ist vor allem die Schaffung von Volksmitteln für die Volksbefreiung. Alles, was für die Aufklärung unserer Idee und dazu dient, Volksenergien anzusammeln, das ist einzig politischer Volkszionismus und diesen politischen Volkszionismus vertreten wir. Ich möchte ein für allemal verlangen, daß man aufhören soll, diesen praktischen Zionismus dem politischen gegenüberzustellen. Und nun, meine Damen und Herren, komme ich zum Schluß, denn ich wünsche nicht vom hohen Präsidium, daran gemahnt zu werden. (Heiterkeit.) Ich möchte zum Schlüsse folgendes sagen: Der X. Kongreß soll ein Friedenskongreß sein, er soll auch ein Jubelkongreß sein und das ist nur unter einer Bedingung möglich. Ich möchte mir erlauben, in meinem Namen an Sie alle eine Bitte zu richten. Es gibt ein Mittel, daß wir wirklich von hier gestärkt und gekräftigt hinausgehen, das ist das Festhalten an den Resultaten der Friedenskonferenz in Berlin. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Mehr verlangen wir nicht, aber wir verlangen nur, daß Sie aufrichtig, mit vollem Herzen und ohne Hintergedanken wirklich