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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 93

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 93 (sequence 93)
Language
German, English, Hebrew
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— 93 — verstehen die Leute ein ganz bestimmtes Prinzip und Herr Dr. Z o 11 s c h a n hat das ziemlich deutlich erklärt. . Was er sagen wollte, ist folgendes: Zionismus ist nicht bloß Geld sammeln — wohl ist es wahr, Gelder müssen auch gesammelt werden —, sondern der Zionismus muß zum geistigen Zentrum werden, aus welchem für die gesamte Judenheit nicht bloß neue Ideen und Anregungen, sondern auch tatsächlich neue Lösungen kommen sollen. Ich muß zugeben, tatsächlich ist in dieser Beziehung manches geschehen. Ich will ein kleines Beispiel anführen. Der „Jüdische Verlag" hat in der letzten Zeit tatsächlich manches geleistet, aber es wurde alles systemlos geleistet, ohne Initiative, ohne Entwicklung und ohne Vertiefung. Lim diese Vertiefung verlangen sowohl Herr Böhm als auch Dr. Zolls c h a n. Als ich vor einigen Monaten eine Reise durch Galizien machte, hörte ich überall die Klage: Es sind überall Massen von jungen Leuten, die gerne unserer Bewegung sich anschließen möchten, die aber sagen: Ihr gebt uns keine Möglichkeit, aus dem Grunde, weil Ihr uns keine theoretische Anleitung gebt. Der Zionismus ist auch eine Weltanschauung, er muß vertieft, er muß begründet werden. Das muß die Leitung machen und deshalb ist die erste Forderung: Entwicklung und Vertiefung der zionistischen Propaganda und Agitation. Nehmen Sie dies aber nicht im engeren, nehmen Sie es in ganz weitem Sinn. Die zweite Forderung, die wir aufstellen und zwar unbedingt aufstellen, das ist die kulturelle Arbeit in Palästina und im türkischen Judentum. Sie werden den Kampf mit der „Alliance" unmöglich durch Zeitungen und Reden allein aufnehmen können, sondern nur durch systematische Arbeit, nur durch Eroberung der jugendlichen Seele, der sephardischen Juden, durch Schulen; nur so werden Sie ein nationales Judentum schaffen. (Lebh. Beifall und Händeklatschen.) Gestatten Sie mir nun, einen vielleicht scharfen Satz aufzustellen: Ohne die Mitwirkung der türkischen Juden werden wir unser Ziel sehr schwer erreichen, wir müssen ihre Mitwirkung haben. (Lebh. Beifall.) Deshalb müssen wir wieder eine Leitung fordern, die auch in dieser Beziehung mehr Initiative an den Tag legt, die nicht nachkommen, die vorangehen soll. Das ist für mich die Hauptsache. Man sagt immer: wir tun ja, wir haben getan! Aber wann? Erst nach Kämpfen, nach langen Kämpfen. Man muß tatsächlich jede Arbeit mit Mühe und Not erkämpfen. (Zwischenruf: Mit Ausnahme des Palästina-Ressorts, welches voran geht! — Heiterkeit.) Entschuldigen Sie, es gibt ein Jargon-Sprichwort. Ich habe es schon einmal angeführt vor kurzer Zeit. (Zwischenruf: Welches ist das?; Es lautet: Vor gewissen Leuten zeigt man keine halbe Arbeit. (Heiterkeit.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Herr Dr. P a s m a n i k! Del. Dr. Pasmanik: Ich nehme es zurück! Ich nehme es zurück! (Schallende Heiterkeit.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich bitte um Ruhe für den Redner. Del. Dr. Pasmanik: Meine Damen und Herren! Wir haben noch etwas zu verlangen und das ist idas, was mir eben dieser,unoffizielle Redner (ein Zwischenrufer) eingeflüstert hat, die Systematisierung der kolonisatorischen Arbeit in Palästina. Sie wird ja geleistet. Ich muß Ihnen aber doch sagen: Wenn Sie diesen Brief des Herrn Kann ansehen, und wenn Sie sich an manchen Vorgang des 9. Kongresses erinnern, so müssen Sie sich sagen, daß diese Arbeit nur durch den Aufwand von ungeheurer Energie gemacht werden kann und gemacht werden muß, wenn innerhalb der Leitung selbst eine solche Uneinigkeit vorherrscht. Ich will z. B. annehmen, Herr Prof. War bürg habe wirklich Fehler gemacht. Du lieber Gott! Wir sind ja Juden, wir sind ja keine Katholiken, die einen unfehlbaren Papst haben, bei uns kann man schon sündigen. Aber nur, wenn eine einheitliche Leitung vorhanden ist, die von einem Prinzipe durchdrungen ist, wenn alle diese

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