Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 92

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 92 (sequence 92)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476274--3637-3479779
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 92 — note angebracht ist, wonach das, was in dem Briefe gesagt wurde, nicht vollständig richtig zu sein scheint, denn es steht in dieser Note, daß dieser Brief zu einer Zeit geschrieben »worden ist, bevor noch ein Gutachten über den Stand der Oelbaumpflanzungen vorlag, von dem Herrn Kann bei Abfassung seines Briefes nichts bekannt war. Nun möchte ich wissen: Wurde der Brief vorgelesen, nachdem dieses Gutachten schon da war, oder nicht? Herr Kann mag vielleicht von dem Gutachten nichts gewußt haben, aber ich glaube, in dem Momente, wo der Brief hier vor dem Kongresse verlesen wurde, war das Gutachten schon da. Sie werden mir zugeben, daß uns ein solcher Brief tatsächlich großen Schaden zufügen kann, besonders aber, wenn es sich herausstellt, daß viele der Tatsachen, die hier mitgeteilt worden sind, der objektiven Wahrheit nicht entsprechen. (Zustimmung und Widerspruch.) Meine Damen und Herren! Es gibt eine andere Notwendigkeit im jetzigen Moment und diese ist: vWir müssen die prinzipiellen Forderungen darüber aufstellen, was wir jetzt eigentlich wollen. Darin wird, wenn Sie wollen, eine indirekte Kritik der Vergangenheit liegen, obwohl ich, wie gesagt, die Kritik nicht zum Gegenstande meiner Rede machen wollte. Ich meine, daß wir unbedingt zu dieser prinzipiellen Debatte kommen müssen, denn ich sage Ihnen, imeine Damen und Herren, das ist der einzige Rückweg zu Herzl. Man hat vor kurzem in der „Welt" geschrieben: „Zurück zu Herzl!" Wissen Sie, was das heißt? Rufen Sie sich doch die Herzl-Kongresse ins Gedächtnis zurück und sehen Sie sich die jetzigen an. Zu Herzls Zeiten konzentrierte sich das gesamte Interesse hier auf diesen Saal. Der ganze Saal hing daran, was hier geschieht. Jetzt sind wir gezwungen, die Hauptarbeit nicht in den Kongreß zu verlegen, sondern in andere Zimmer, in den Permanenzausschuß, in die anderen Kommissionen und im Kongresse fehlt es an Interesse. Wir müssen zu dem oben erwähnten prinzipiellen Standpunkte zurückkehren. Was verlangen wir von einer Leitung, die prinzipiell sein soll? Das kann in einem Worte zusammengefaßt werden: Wir verlangen eine Leitung, die arbeiten soll. Wir verlangen eine Leitung, die nicht bloß arbeiten soll, sondern die überall die Initiative ergreifen soll. Wir verlangen eine Leitung, die durch innere Einheit und durch Schaffensfreudigkeit der ganzen zionistischen Organisation vorangehen soll. Ich will Ihnen ein Beispiel geben, wie es bis jetzt war. Herr Prof. Warburg hat darauf hingewiesen, daß Herr Ussischkin schon vor vielen Jahren angeregt hat, daß man die Mittel des J. C. T. soweit als möglich nach Palästina hinüberführen möge, worauf die A. <P. C. entstanden ist. Wenn Sie die Geschichte des Zionismus genau kennen, so werden Sie wissen, auf wieviel Schwierigkeiten Ussischkin stieß, und ich erinnere Sie daran, daß als auf dem Hamburger Kongreß Herr Simon und ich vorgeschlagen haben, wieder so weit als möglich die Mittel des J. C. T. nach Palästina hinüberzuführen, ganz in der Nähe Herr Kann saß und lächelte. Und heute, am 10. Kongreß schreibt Herr Kann: „Ferner die Uebertragung der Geschäfte des J. C. T. auf die A. P. \C." Es kommen dann noch andere Fragen und die Kritik Prof. W a r b u r g s , worauf ich noch zurückkommen werde. Sie sehen also, meine Damen und Herren: Hinterdrein kommt man. Was wir verlangen, ist also eine Leitung, die nicht nur im Nachfolgen stark wäre, sondern auch im Befehlen, im Leiten, im Vorangehen. Dieses nachkommende Einverständnis des Herrn Kann mit solchen Forderungen, die wir schon lange früher gestellt haben, ist charakteristisch. Herr Böhm hat gestern sehr prinzipiell gesprochen, und ich glaube auch, Herr Zollschan hat sich in ähnlicher Weise ausgesprochen. Gleich aber hörte man: Das ist ja schrecklich! Was wollen Sie eigentlich! Was schreiben Sie da von der Vertiefung des Zionismus! Es schien das so verschwommen zu sein, das ist aber in Wirklichkeit nicht der Fall. Unter Vertiefung des Zionismus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.