Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 91)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 91 - Ich bitte, mich nicht zu unterbrechen, ich habe das Recht, einen Redner daraut aufmerksam zu machen, was im Interesse des Kongresses liegt. (Lebhafte Unruhe und Widerspruch.) Ich bitte um Ruhe. Del. Dr. Jakob Thon (fortfahrend): Geehrter Kongreß! Ich glaube, daß die Zeit kommen wird, wo auch die arabische Bevölkerung einsehen wird, welche Stütze sie in uns als Kulturelement besitzt. Jetzt ist der Orient wie verschlafen. Er besitzt eine alte Kultur, eine durchaus unproduktive und sich nicht verjüngende. Das, was von Europa herkommt, ist der Abschaum der großstädtischen Kultur. Man braucht nur die ägyptischen Städte anzusehen, um zu bemerken, welche Verderbtheit die französischeuropäische Kultur in das arabische Volk hineinträgt. Wir sind im Orient die einzigen, die von dieser abgeschwächten Kultur, die das Merkmal der Zersetzungs- und Auflösungsperioden trägt, sich freihalten. Wir sind diejenigen, die wir auf einer gesunden Basis uais aufbauen wollen, und ich glaube, daß wir das beste Beispiel und die beste Anleitung auch den arabischen Bevölkerungsteilen geben werden, und sie werden über kurz oder lang begreifen lernen, daß sie in uns von diesem Gesichtspunkte aus einen wichtigen Faktor für sich haben, abgesehen davon, daß wir wirtschaftlich dem Lande vielen Nutzen bringen und bis jetzt dieser Nutzen zum großen Teil gerade der arabischen Bevölkerung zugeflossen ist. Daß die türkische Regierung uns mit der Zeit auch als berufenen Bundesgenossen ansehen wird, das wurde von berufener Seite prägnanter ausgedrückt, und ich muß sagen, sie wird es über kurz oder lang auch einsehen, wieviel unsere Dankbarkeit wert ist, und wieviel wir als Bundesgenossen für sie wert sein können. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Das Wort erhält nun der zweite Generalredner Herr Dr. P a s m a n i k. Del. Dr. Pasmanik (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Hochverehrter Kongreß! Ich habe vor allem eine offizielle Erklärung abzugeben und dann eine faktische. Erstens: Ich spreche nicht im Namen der russischen Landsmannschaft. (Del. Litmann Rosenthal: Wann haben Sie denn je im Namen der russischen Landsmannschaft gesprochen? — Heiterkeit.) Herr Litmann Rosenthal, Sie sind ja als Witzmacher bekannt. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Lassen Sie sich durch Zwischenrufe nicht stören. Ich bitte aber auch die Herren, Zwischenrufe zu unterlassen, die ganz überflüssig sind und die Redezeit des Herrn Dr. Pasmanik in unzulässiger Weise beeinträchtigen. Del. Dr. Pasmanik: Ich habe eine zweite Erklärung abzugeben. Ich werde die Leitung nicht kritisieren und zwar aus folgendem Grund. Ich muß leider konstatieren, daß die Leitung uns sozusagen die Beweise selbst an die Hand gibt, da die Herren sich untereinander kritisieren. (Zustimmung.) Sie brauchen ja nur „Die Welt" zu lesen, und da sehen Sie, daß Herr Kann, ein Mitglied des E. A. C. ein anderes Mitglied des E. A. C, Herrn Prof. Dr. Warburg, kritisiert. Da ist für eine Kritik von uns einfachen Sterblichen allerdings kein Platz mehr. Die Kritik ist schon geübt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mir eine ganz kleine, eine ganz bescheidene Interpellation vorzubringen erlauben folgenden Inhaltes: Ich möchte wissen, ob der gewisse Brief des Herrn Kann, bevor er hier vorgelesen wurde, dem Großen A. C. vorgelegen ist oder nicht. Sie werden mit mir doch alle darin übereinstimmen, daß die Publizierung dieses Briefes von eminenter Bedeutung ist. (Zwischenruf: Sie überschätzen ihn schrecklich!) Meiner Meinung nach überschätze ich ihn nicht, es kommt manchmal auf das psychologische Moment an. Es ist ganz interessant, konstatieren zu können, daß hier bei der Veröffentlichung in der „Welt" schon eine Fuß-