Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 90)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 90 — durchzuführen. Zum Teile wird Ihnen auch bekannt sein, was diese Gesellschaft bis jetzt geleistet hat. Eine der ersten Arbeiten war die Bewirtschaftung des Nationafondsgutes Kinereth. In der Bewirtschaftung dieses Gutes sind keine materiellen Erfolge erzielt worden. Die Gesellschaft hat in den ersten Jahren Verluste im Betrage von zirka 30 000 Frcs. erlitten. Ich glaube aber, daß diese Verluste nicht viel besagen, wenn man die kolonisatorische Arbeit bedenkt, die sie an diesem Punkte geleistet hat. Wer jemals Kinereth früher gekannt hat, einen weltverlassenen Platz, einen Durchzugsstreifen der Beduinen, und jetzt hinkommt und ringsum blühende jüdische Ansiedlungen sieht, wer sieht, daß dieser wichtige Kommunikationspunkt zu einem überaus wertvollen Besitz geworden ist und daß dieser Punkt die Schaffung neuer Ansiedlungen ermöglicht hat, der wird sagen, daß die materiellen Verluste, die wir ja frei zugeben, nicht von großer Bedeutung sind. Und wer tiefer in die Sache eindringt, wird sagen, daß die Werte, die investiert wurden, auch materiell drin sind und daß der Wert von Kinereth ein Vielfaches von dem ist, was es vor vier Jahren wert war, als es noch eine Wüste bildete. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich glaube daher, daß man,kaum von einer Reorganisation dieser Gesellschaft sprechen kann. Was ihr not tut, ist die Vermehrung der Mittel. Sie soll Ihr Kolonisationsinstrument sein. Und deshalb müssen Sie ihr die nötigen Mittel verschaffen und müssen Sie sie so ausstatten, daß sie ein gut fundiertes und kein unzulängliches Instrument ist, aber eine Reorganisation ist nicht nötig. Vizepräsident Dr. Bodenheimer (den Vorsitz übernehmend): Herr Dr. Thon, Ihre Zeit ist um, Sie hatten schon jetzt Zeit, zur Sache zu sprechen und sich kürzer zu fassen. Ich bemerke übrigens, daß Sie auch noch sonst Gelegenheit haben werden, über Palästina zu sprechen. (Widerspruch seitens der Delegierten.) Del. Dr. Jakob Thon (fortfahrend): Auch der Bezalel braucht meines Erachtens keine Reorganisation, sondern nur eine Stärkung. Bedenken Sie, daß diese Institution jetzt die einzige ist, um die so viel beklagte Emigration aus Palästina zu bekämpfen. Wir reden so viel darüber, aber die einzige Tat dagegen ist der Bezalel. Deshalb müssen wir ihn stärken, er wächst auch von Tag zu Tag. Kaum ist ein neuer Raum ausgebaut worden, wird er wieder zu enge, und wir müssen wieder Scharen von Arbeitern zurückweisen und daran denken, neue Räume hinzuzufügen. Wir sind ja sehr darauf bedacht, keine Fehler zu machen und immer zu lernen, wir sind neu und machen in allen unseren Arbeiten nur Versuche, aber das bedeutet noch nicht daß eine Reorganisierung nötig ist, es ist lediglich eine Stärkung nötig. Nun möchte ich noch in ganz kurzen Strichen eine allgemeine Bemerkung machen. Man hat vielfach über die Störungen seitens der arabischen Bevölkerung gesprochen. (Hört! hört!) Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß diese Störungen insofern nicht zu überschätzen sind, als sie noch nicht die Meinung des Volkes wiedergeben, sondern vielleicht einzelner Beamten, einzelner Journalisten, die sich daraus ein Gewerbe machen, Sensationsnachrichten in die Welt zu setzen. Es ist sehr bemerkenswert, daß diese judenfeindliche Strömung gerade in jenen Zentren auftritt, wo man größtenteils von einer jüdischen Bewegung nichts verspürt, wie in Damaskus, wo man vom Zionismus nichts weiß und wo die ansässigen Juden vollständig assimiliert sind. Vizepräsident Dr. Bodenheimer (unterbrechend): Ich bitte, diese Ausführungen in der Palästinakommission vorzubringen. (Rufe: Ausreden lassen!) 7 \