Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 88)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 88 - bessere Aussichten haben wir auf die wirksame Mithilfe eines so wichtigen Faktors. Wir sind auch bestrebt, nach Möglichkeit in Angelegenheiten, welche die Arbeiter interessieren, die von ihnen gewünschte Autonomie gelten zu lassen. Wir haben es stets getan. Sowohl bei der Errichtung der Arbeiterhäuser, wie in vielen andern Fällen, welche die Arbeiter betreffen, wie z. B. im letzten Falle, wo die Arbeiterschaft sich einheitlich durch zwei Komitees in Galiläa und Judäa vertreten läßt, haben wir es für richtig angesehen, mit diesen Komitees in Verbindung zu treten und die Arbeiterfragen mit ihnen zu besprechen. Auf der andern Seite müssen wir aber doch auch darauf sehen, daß keine Demoralisation einreiße, denn diese Befürchtung, meine Damen und Herren, liegt in Palästina vielleicht näher als anderswo. Hier ist der demokratische Geist gewiß genügend ausgebildet, und es gilt daher auch die Autorität zu stärken, die Achtung vor den legalen Institutionen. In keinem Falle können wir es billigen, wenn die Arbeiter in Palästina Streiks organisieren, wo dafür durchaus kein Platz ist, und unter keinen Umständen in den nationalen Institutionen, schon aus dem Grunde, weil wir in den nationalen Institutionen im Kampfe nie soweit gehen sollten und weil die Leitung d i e s e r Institutionen in einer gewissen Hinsicht ja durchaus gebundene Hände hat. Deshalb muß auch die Arbeiterschaft dem Rechnung tragen und darf nicht durch Streiks das Ansehen und die Kraft dieser Institutionen schwächen und es ist gewiß kein Verdienst von Seiten der Poale-Zionisten, wenn sie versuchen, in einem Institute, wie es der Bezalel ist, destruktive Strömungen hervorzurufen. Meine Damen und Herren! Ich möchte noch einige Bemerkungen in bezug auf einige andere Institute machen, die wir vertreten. Wir haben viel aus der Periode der dreißigjährigen Kolonisationsgeschichte zu lernen. Viele Wege haben wir aber zu verwerfen und wir suchen neue Wege und neue Methoden. Wenn wir dabei sehr vorsichtig vorgehen müssen, so müssen wir uns doch auf der andern Seite sagen, daß etwas Geduld sehr not tut. Wir können nicht sofort feststellen, welcher Weg der richtige ist, welche Methode die passende ist, und ebenso fehlerhaft, wie es ist, mit Uebereiltheit sich auf neue Wege zu stürzen, ebenso verfehlt ist es, den kaum Abetretenen Weg rasch wieder zu verlassen und in einem Zeitpunkte Kritik anzulegen, wo die Unternehmungen und Institutionen für eine Kritik noch nicht reif sind. Ein Beispiel für diese unreife Unruhe ist das Verhalten zur Oelbaumspende. Diese Institution ist für uns gewissermaßen eine Geduldprobe Wir haben uns vorgenommen, Pflanzungen anzulegen, die für spätere Geschlechter Werte schaffen sollen Wir wollen Bäume pflanzen, die frühestens nach 8 bis 10 Jahren Früchte tragen und dennoch sehen wir, daß in unsern Reihen schon im zweiten, dritten Jahre eine gewisse Ungeduld zum Ausdrucke kommt. Schon erhebt man Vorwürfe, daß diese Bäume keine Früchte tragen, daß diese Institution keine Resultate gezeitigt habe. Ich glaube, daß ein derartiges liebloses, zumeist auf nicht genügender Kenntnis der Sache beruhendes Verhalten unserer Arbeit gewiß nicht nützt Meine Damen und Herren! Man hat die Oelbaumspende seinerzeit eine Spielerei genannt, und es ist begreiflich. Wenn man diese kleine Spende in ein Verhältnis zu unsern Kolonisationsbedürfnis stellt, so ist sie natürlich nur ein kleinliches Mittel und diesem ganzen Programme keineswegs adäquat. Aber auch wir sehen darauf nicht mit dem Vergrößerungsglas, und ich würde auch über diese Sache mir hier nicht zu sprechen erlauben, wenn ich nicht fürchten müßte, daß sonst eine Schädigung einer wichtigen Institution eintritt Die Oelbaumspende ist eben eine kleine Spende. Sie kann ihr Ziel nicht ganz erfüllen, aber es steht mit ihr nicht anders als mit dem N. F., der auch klein ist und lange nicht hinreicht, um unser Kolonisationsbedürfnis