Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 83)
- Language
- German, English, Hebrew
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hier zur Sprache bringen zu müssen, aber die Jüdische Soziaiistische Partei, Poale - Zion Oesterreichs , hat im Kampfe um das gute Recht des Volkes in Drohobycz zwei organisierte Mitglieder als Tote zu beklagen. Es sind dies die Parteigenossen Mühl und Rappaport und ich glaube, diese zwei gefallenen jüdischen Arbeiter haben es verdient, daß man von dieser jüdischen Tribüne ihr Andenken ehrt. (Die Versammlung erhebt sich.) Eine Bemerkung möchte ich an die Adresse der „Welt" richten. Es wird in der „Welt" sehr oft der Begriff und der Ausdruck „zionistische Partei" gebraucht. Ich möchte Sie an ein Wort Dr. Max N o r d a u s erinnern, der in der 3. Kongreßrede die Bezeichnung „Partei"' für die zionistische Organisation „mit Spott und Verachtung" zurückgewiesen hat. (Lebhafte Zustimmung.) Dieser Kongreß repräsentiert keine Partei, sondern eine Parteienkonföderation und deshalb ist es unstatthaft, daß sich im Zentralorgan, der „Welt", falsche, irreführende und unsere Stellung erschwerende Begriffe einbürgern. (Sehr richtig!) Ich möchte nun zur Palästina-Arbeit des Actions-Comites übergehen. Es soll rückhaltlos anerkannt werden, daß das Actions-Comite die Beschlüsse des Hamburger Kongresses in bezug auf die Kolonisation Palästinas in loyaler Weise durchgeführt hat. (Beifall.) Gerade weil wir Poale-Zion zur extremsten Opposition gerechnet werden, halte ich es für eine Gewissenspflicht, dies hier zu sagen. Der Beschluß des Hamburger Kongresses bezüglich der ersten genossenschaftlichen Kolonie in Palästina wurde vom Actions-Comite durchgeführt und in wirklich energischer Weise in Angriff genommen. Ferner hat es uns gewiß sympathisch berührt, daß der Präsident der Organisation es für gut gefunden hat, seinen Namen mit einem Fonds zum Bau von Arbeiterhäusern in Palästina zu verknüpfen, und daß bereits der Bau der Arbeiterhäuser in Angriff genommen wurde. Es ist das gewiß eine erfreuliche Tatsache. Ferner haben Landentwicklungsgesellschaft und N. F. durch die Schaffung von Kinereth und von anderen Farmen. in Hulda usw. zur Schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten für die jüdischen Landarbeiter Palästinas beigetragen und damit gewiß den richtigen Weg eingeschlagen. Das soll anerkannt werden. Vizepräsident Dr. Tschlenow: Herr Kaplansky, Ihre Zeit ist um. Del. Kaplansky (fortfahrend): Ich bin sofort fertig. Ich will nicht verhehlen, daß innerhalb der Kongreßfraktion unseres Poale-Zion-Verbandes Stimmen laut wurden, daß wir bei diesem Kongreß eine Ausnahme machen können und für das Absolutorium zugunsten des Actions-Comites stimmen sollen. Soweit ist es sogar gekommen. Aber ich muß sagen, daß wir diesen Beschluß nicht fassen konnten, weil wir eine ganze Reihe von Beschwerden aus Palästina erhalten haben, die es uns unmöglich machen, die Tätigkeit des Actions-Comites in allen Punkten zu billigen. Vor allem möchte ich den Kongreß darauf aufmerksam machen, daß wir schon in Hamburg von dieser Tribüne das Palästina-Ressort gewarnt haben, daß in Kinereth nicht alles in Ordnung ist, da in der Farm in einer kurzen Spanne Zeit viermal die Arbeiter gewechselt wurden. Wir haben weiters davor gewarnt, daß zum Leiter in Kinereth ein Mann bestellt wurde, der in der Arbeiterschaft Palästinas der bestgehaßte Mann ist. Es mußte zu mehreren Konflikten in Kinereth kommen, bis Herr B e r m a n n entfernt wurde. (Ruf: Palästina-Ausschuß!) Auch im Bezalel, der zwar keine direkte zionistische Institution ist — aber es ist ein offenes Geheimnis, daß der Bezalel durch die zionistische Organisation erhalten wird — ist es gleichfalls zu Konflikten mit der jüdischen Arbeiterschaft gekommen. Die Ursache all dieser Kämpfe ist, daß man es unterlassen hat, die gewerkschaftliche Organisation anzuerkennen und im Einvernehmen mit ihr die Arbeitsbedingungen festzustellen. Da müssen wir dem Actions - Comite sagen, daß es so nicht weitergehen kann. Wenn man 6*