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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 82

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 82 (sequence 82)
Language
German, English, Hebrew
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— 82 — nicht ökonomischen Ursprungs sind. Es will mir scheinen, daß.das jüdische Kolonisationswerk in Palästina einen reellen Nutzen der arabischen, fellachischen Bevölkerung Palästinas bringen muß. (Lebh. Zustimmung.) Es bedeutet vor allem, und das haben die Tatsachen bewiesen, eine Steigerung der Grundrente und der Bodenpreise in Palästina, es bedeutet die Einführung neuer Kultur- und intensiver Wirtschaftsmethoden. Schließlich bedeutet die städtische Kolonisation Palästinas durch Juden die Sicherung eines Absatzgebietes für die landwirtschaftlichen Produkte der Fellachen des Landes Palästina. Das sind ökonomische Momente von so weittragender Bedeutung, daß ich an einen dauernden Gegensatz zwischen der einwandernden jüdischen Bevölkerung und der ansässigen fellachischen Bevölkerung nicht glauben kann. (Lebh. Beifall.) Und weil dieser wirtschaftliche Gegensatz nicht vorhanden ist, müssen die Beweggründe der christlichen Araber und der arabischen Effendis anderer Art sein. Ich will dies nicht untersuchen, aber ich glaube, daß eine Verständigung mit der arabischen Demokratie ebenso möglich ist, wie mit der türkischen Demokratie. Ich glaube, es muß uns gelingen, weil das wirtschaftliche Moment unser Aufklärungswerk unterstützt, die türkische Oeffentlichkeit zu überzeugen, daß nicht die in der Alliance organisierte jüdische Bourgeoisie und Plutokratie der Freund der Türkei ist, sondern daß nur die jüdische Demokratie, die in diesem Kongresse vertreten ist, der wahre Bundesgenosse der Türkei ist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich messe dieser Arbeit viel größere Bedeutung bei als der Aufklärung der Großmächte, von der Herr Dr. H a n t k e gesprochen hat. Ich muß sagen, ich halte diese Arbeit für minder wichtig und möchte nur auf ein Detail zurückkommen. Herr Wolffsohn hat bedauert, daß ein französisches Blatt in Konstantinopel, welches im allgemeinen zionistenfreundlich ist, sich zu Angriffen gegen Italien hat hinreißen lassen. Es ist ja selbstverständlich, daß uns jede Feindseligkeit, jede Abneigung gegenüber Italien und dem italienischen Volke ferne liegt. Das braucht ja nicht betont zu werden; aber wenn ein Blatt in Konstantinopel es für notwendig findet, im Interesse des ottomanischen Reiches gegen gewisse Agitationen der italienischen Imperialisten, die mit dem italienischen Volke nicht zu verwechseln sind, in Albanien zu protestieren, so glaube ich, daß das Blatt ottomanische Politik treibt und daß das von uns gebilligt und nicht bedauert werden soll. (Zustimmung. — Widerspruch.) Es wurde an dem Zentralorgan der zionistischen Bewegung Kritik geübt. Ich kann mich dieser Kritik im Punkte Landespolitik nicht anschließen. Wenn dem zionistischen Actions-Comite und seinem Zentralorgan vorgeworfen wird, daß sie sich für die Landespolitik zu wenig interessieren oder nicht aktiv eingreifen, so finde ich diese Vorwürfe ungerecht. (Sehr richtig!) Es ist ja bekannt, daß wir Poale-Zion eine intensive sozialistische, gewerkschaftliche Propaganda in den Ländern des Golus seit Jahren führen, daß wir seit jeher die Notwendigkeit einer Landespolitik anerkannt haben, und es fällt uns nicht ein, den zionistischen Landesorganisationen in Oesterreich oder Rußland vorzuwerfen, daß sie die Organisation des jüdischen Bürgertums in ihre Hand nehmen wollen. Wir betrachten das als ein Ergebnis natürlicher Entwicklung; aber der Kongreß und das zionistische Actions-Comite haben mit diesen Landesarbeiten nichts zu tun. Deshalb können solche Vorwürfe gegen das Actions- Comite ernstlich nicht erhoben werden. Allerdings darf diese Neutralität der zionistischen Organisation gegenüber der Landespolitik nicht so weit gehen, daß man sich weigert, unserer Opfer im Kampfe gegen die polnische Schlachta und gegen die jüdische assimilatorische Bourgeoisie in Ehren zu gedenken. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es tut mir leid, das

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