Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 84)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 84 — Arbeiterhäuser baut und Farmen errichtet, in denen jüdische Arbeiter beschäftigt sind, so muß man mit der Organisation, mit dem Selbstgefühl und dem Selbstbestimmungsrechte der Arbeiter rechnen und darf sich nicht über ihre Wünsche hinwegsetzen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn das nicht geschieht, muß es eben zu dauernden Konflikten kommen, wie es in Kinereth der Fall war. Zum Schlüsse möchte ich noch folgendes erwähnen. Es wurde hier ein Bericht über die Bank noch nicht erstattet. (Rufe: Der kommt erst!) Aber im Berichte des Actions-Comites wurde auch ein kurzer Bericht der Tätigkeit der A. P. C. veröffentlicht, und da will ich nicht unerwähnt lassen, daß sich die A. P. C. geweigert hat, Streikgelder, die von jüdischen Arbeitern gesammelt wurden, als Einlagen anzunehmen. Ich glaube, jede kapitalistische Bank in Wien und anderswo würde ohne Gewissensbisse Einlagen von gewerkschaftlichen Organisationen, die für Streiks oder für andere Zwecke bestimmt sind, annehmen, und ich muß das Vorgehen der Bank als eine Ungeheuerlichkeit rügen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Unruhe.) Ich halte es für notwendig, hinzuzufügen, daß meine Kritik der Tätigkeit der palästinensischen Institutionen und des Palästina-Ressorts nicht als ein Angriff gegen den allseitig verehrten Professor W a r b u r g aufgefaßt werden soll. Und gerade weil Ich heute in der „Welt" einen Brief des Herrn Kann, der gegen Herrn Prof. Warburg gerichtet ist, gelesen habe, möchte ich, daß meine Kritik mit der des Herrn Kann nicht identifiziert werden soll. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) An eine Bemerkung des Herrn Kann möchte ich anknüpfen. Herr Kann hat sich der dankenswerten Mühe unterzogen, das jüdische Großkapital in Westeuropa für palästinensiche Unternehmungen zu werben und ist auf Widerstand gestoßen. Er ist nicht der Erste. Theodor H e r z 1 hat im „Judenstaat" der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die jüdische Haute finance ihre Finanzpolitik in den Dienst des jüdischen Volkes und des Zionismus stellen werde. Theodor H e r z 1 und der' Zionismus haben eine Enttäuschung erlebt. Wir Poale-Zionisten haben an diese Bereitwilligkeit der jüdischen Plutokratie Westeuropas, sich in den Dienst des Volkes zu stellen, niemals geglaubt. Wenn Sie aber zu der Ueberzeugung gekommen sind, daß nicht das Großkapital dem Zionismus zu Hilfe eilen wird, sondern daß Sie auf die direkte Mitarbeiterschaft, auf die blutigen Opfer der Besitzlosen und der jüdischen Massen angewiesen sind, so ist es Pflicht der zionistischen Organisation, die Wünsche und Forderungen dieser Arbeitermassen in erster Linie zu berücksichtigen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Der Herr Delegierte G o 1 d r e i c h hat das Wort. DeL Goldreich: In Anbetracht dessen, daß wir noch viel Arbeit zu leisten haben, in Anbetracht dessen, daß schon eine große Anzahl von Rednern hier gesprochen hat und die verschiedensten Meinungen in bezug auf den Bericht des A. C. bereits zum Ausdruck gebracht wurden, bitte ich Sie, aus der Reihe der auf der Rednerliste stehenden Redner vier Generalredner zu wählen, damit sämtliche am Kongresse vertretenen Parteien zum Worte gelangen können. Gleichzeitig bitte ich, die Redezeit zu beschränken. (Beifall und Widerspruch.) Vizepräsident Tschlenow: Es sind noch 16 Redner zum Worte gemeldet und zwar die Herren: Mossinsohn, M o t z k i n, Dr. Loewe, Dr. Weizmann, Ben Zwi, Salomen Goldmann, Jakob Moser, Engel Dr. Jakob Thon, Barth, Dr. Pasmanik, Weiner, Dr. Margulies, Syrkin, Möller, Gronemann.