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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 78

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 78 (sequence 78)
Language
German, English, Hebrew
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— 78 — Vizepräsident Dr. Tschlenow (unterbrechend): Ich muß an Sie die Bitte richten, im Interesse der beschränkten Redezeit alle detaillierten Anträge, die Sie zu stellen beabsichtigen, im Palästina-Ausschuß vorzubringen. Sie sind ja Mitglied des Palästina-Ausschusses, das sind alles Details für den Palästina-Ausschuß. Del. Laster (fortfahrend): Ich habe sieben Punkte, welche Palästina betreffen, dieselben lauten folgendermaßen: 1. Es ist dafür zu sorgen, daß individuelle Arbeitsgelegenheiten in Palästina geschaffen werden, um die Emigration aus Palästina einzudämmen; denn im letzten Jahre haben über elfhundert Arbeiter Palästina wegen des Mangels an Arbeit verlassen. (Hört, hört!) 2. Es ist darauf zu sehen, daß die Juden, die unterstützt werden, nicht nur von den Zionisten, sondern auch von anderen jüdischen Anstalten, nur dann unterstützt werden sollen, wenn sie sich verpflichten, ottomanische Untertanen zu werden. 3. ist die Soldatenfrage in der Türkei zu regeln. 4. ist darauf zu sehen, eine arabische Zeitung zu gründen; denn das ist jetzt am notwendigsten, weil die Hetze von einigen Christen bei den Arabern jetzt in einem sehr kritischen Zustande sich befindet. 5. Alle zionistischen Institutionen sollen so geführt werden, daß sie keinen Anstoß gegen das religiöse Oefühl in Palästina erregen sollen. 6. sind Mittel zu suchen, ein gewisses Element in Schranken zu halten, das sich in Palästina leider Zionisten nennt, das aber nur aus Leuten besteht, die unsere Arbeit, die wir jahrelang mühsam geleistet haben, mit einem Strich zerstören. 7. Meine letzte Forderung betrifft die Entwicklung der hebräischen Sprache. (Unruhe.) Da meine Ausführungen nicht in den Rahmen der Generaldebatte über den Bericht des Actions-Comites gehören, behalte ich mir vor, Details meiner Ausführungen in der Palästina-Kommission vorzubringen. (Beifall.) Del. Dr. Siegmund Werner (Iglau): Geehrter Kongreß! Wir sind durch die letzte Diversion hier ein bißchen aus dem Gleise gekommen, ich hoffe aber, wir kehren jetzt zum Bericht des Actions-Comites, der uns vorliegt, zurück. Unser Herr Präsident hat sich heute darüber beklagt, daß man ihn, resp. die Leitung zu wenig kritisiert, oder vielmehr sagt, man könne nicht kritisieren mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand. Ich muß gestehen, ich muß da speziell den Herrn Adolf Böhm, auf den dabei angespielt wurde, in Schutz nehmen. Ich finde, daß Herr Adolf Böhm ganz wohl kritisiert hat. Wenn er das in einer Weise getan hat, die vielleicht in einzelnen programmatischen Forderungen sich erschöpft hat, so ist in diesem programmatischen Forderungen gleichzeitig eine Kritik der Haltung des Actions-Comites gelegen gewesen. Denn er hätte diese programmatischen Forderungen nicht aufstellen können, wenn das Actions-Comite sie ohnedies befolgt hätte. (Rufe: Sehr richtig!) Fraglich ist nur, ob die programmatischen Forderungen, die Herr Adolf Böhm hier aufgestellt hat, tatsächlich vom Actions-Comite nicht befolgt wurden, und weiteres, ob eine Anzahl dieser Forderungen überhaupt durch eine Leitung durchführbar sind. (Sehr richtig!) Ich habe diese programmatischen Forderungen des Herrn Adolf Böhm schon früher kennen zu lernen Gelegenheit gehabt, er hat sie nämlich fast genau so, wie er sie hier vorgebracht hat, in der „Jüdischen Zeitung", einem Wiener Organ des innerösterreichischen Distrikts-Comites, veröffentlicht. Damals wußten wir noch nicht, daß wir hier den Frieden machen können, und es mögen daher die Forderungen des Herrn Böhm in der „Jüdischen Zeitung" schärfer geklungen haben, als er sie im Kongreß vorzubringen für gut befand.

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