Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 77

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 77 (sequence 77)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3476254-3476274--3622-3479764
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

zuheben, mit ernster, wissenschaftlicher Begründung des Heilfaktors des dortigen Klimas und der Quellen. Da man fürchten müßte, daß arme Patienten, sich auf die berühmte; jüdische Wohltätigkeit stützend, hinkommen werden, soll die Pension und Reise in einem Ticket (ähnlich der Cookschen) gegen Barzahlung im voraus und -voll für 6 Wochen ausgestellt werden. Als Hauptprinzip müßte gelten, daß das Sanatorium nicht als Wohltätigkeitsanstalt, sondern als reines Geschäftsunternehmen betrachtet und danach gehandelt werden soll. Ich hätte als Pächter Herrn Kaminitz, Hotelbesitzer in Jerusalem, oder einen seiner Söhne, die mir als sehr tüchtig und erfahren gerühmt wurden, empfohlen, damit das Unternehmen gedeihe! — Es wäre der Anfang einer ökonomischen Wiedergeburt der Ufer des Tiberiassees, welche auch ihrer Naturschönheiten wegen gepriesen werden. An Patienten und Pensionären wird es nicht mangeln, dank der Billigkeit und des Komforts und der guten ärztlichen Behandlung und in Anbetracht der Hindernisse, die den Juden in der Krim und im Kaukasus gemacht werden. Dieses Projekt wäre eng an den Plan Professor Warburgs anzuschließen, der jetzt die Anlage einer Villenstadt in Kerak am See projektiert. Wohl sind das weitgehende Pläne, aber keine phantastischen, keine unrealisierbaren, da sie doch greifbar und leicht ausführbar sind. Eine große Idee muß in großen Zügen geführt werden! So lehrte uns unser unsterblicher Theodor H e r z I. (Lebh. Beifall.) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Ich möchte Ihnen den Vorschlag machen, diese Anträge dem Palästina-Ausschusse, der vom Kongresse gewählt worden ist, zu übermitteln. Das Wort erhält Herr Delegierter Laster aus Kanada. (Unruhe.) Meine Damen und Herren! Es kommen wiederholt Klagen, daß man schlecht hört. Nicht alle Redner haben eine solche Stimme, daß sie für diesen großen Raum ausreicht. Es gibt aber ein Mittel der Abhilfe: Wenn Sie sich alle ruhig verhalten, werden Sie alles hören. Ich bitte also dringendst um Ruhe und die Herren Ordner bitte ich, für die Freihaltung der Gänge zu sorgen. Del. Laster: Geehrter Kongreß! Vor allem überbringe ich Ihnen als ein Bewohner von der anderen Ecke der Welt die herzlichsten Grüße der Zionisten von Kanada und Toronto. (Lebh. Beifall und Händeklatschen.) Und nun möchte ich mir erlauben, den hohen Kongreß zu bitten, mir meine Redezeit aus mehrfachen Gründen nicht zu beschränken. Ich bin jetzt sieben Wochen auf der Reise aus Kanada. Ich bin aus dem einzigen Grunde über Palästina hierhergereist, um die Lage des Judentums, des Zionismus an Ort und Stelle zu studieren. Zweitens habe ich auf der russischen Vorkonferenz gehört, daß gegen die Ansiedlung des Zionismus in Palästina sich eine große Opposition geltend macht. Herr S o k o I o w hat gesagt, daß es sehr traurig ist, daß die Opposition gegen Palästina eine sehr große ist. Es wird sich also empfehlen, auch die allerradikalsten Meinungen hier zu hören, um, wenn irgendwelche Fehler gemacht worden sind, diese zu verbessern. Drittens habe ich Herrn S c h e i n k i n als Delegierten von Palästina sprechen hören. Er hat einen Appell an Sie gerichtet und gesagt: Wir wollen zweihundert tüchtige Arbeiter nach Palästina haben. Er hat aber nicht erwähnt, daß in den letzten Jahren elfhundert Arbeiter Palästina verlassen haben. Als ich ihn fragte, warum dies geschehen sei, sagte er, diese Arbeiter taugen uns nichts. Ich habe auch gehört, man hat hier vom praktischen und vom politischen Zionismus gesprochen, man sprach von Luftschlössern, von zionistischen Schiffen usw., man hat aber von der praktischen Arbeit in Palästina nicht gesprochen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.