Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 68)
- Language
- German, English, Hebrew
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68 - Di\ Zoilschan: Ich bin bereit abzubrechen, wenn es der Wunsch des Kongresses ist. (Widerspruch.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Es würde uns sehr interessieren, vom Rassenkongreß zu hören. Dr. Zollschan (fortfahrend): Ein Punkt, der z. B. alle Juden in gemeinsamer Weise interessiert, vom elenden Schnorrer bis zum mächtigen Bankier, ist das Gefühl gegen den Antisemitismus. Der Zionismus begeht als Sachwalter der gesamten Judenheit einen großen Fehler, wenn er ein derartiges Gefühl außer Kalkül läßt. Es ist möglich, wenigstens in wissenschaftlicher Weise dem Judentum ungeheure Dienste zu leisten. Es ist dies möglich durch die Vertiefung der eigenen Idee. Wir kommen dadurch in die Lage, nicht nur den Antisemitismus wesentlich zu entkräften, sondern gleichzeitig auch die Sympathien der gesamten Judenheit uns zuzuführen. Wenn wir uns nur auf den Boden der exakten Wissenschaft stellen, setzen wir uns in die Möglichkeit, einen so ungeheuren Rassenstolz bei uns selbst hervorzurufen, daß alle die Schwierigkeiten, die sonst hier existieren, zu nichts zusammenschrumpfen angesichts der ungeheuren Idee, die jetzt für unsere Perspektive auftaucht. Ich will nicht auf konkrete Beispiele hinweisen, vielleicht ist es mir in dem einen oder anderen Punkte gelungen, diese Wirkung selbst herbeizuführen. Ich will hier nur ganz kurz darauf hinweisen, daß es solche Momente gibt. Da aber die Zeit hier beschränkt ist, will ich auch damit schließen und nur sagen: Wenn es möglich ist, Kritik an manchem zu üben, so glaube ich, wäre es das wichtigste, Kritik an dem theoretischen Unterbau unserer Idee zu üben. Ich glaube, daß uns eine solche Kritik ungeheure Hilfsquellen zuführen könnte, ich glaube, daß dieselbe die Kraft unserer Idee ungeheuer vermehren könnte, wie ich anderseits auch überzeugt bin, daß sie die Widerstände unserer Idee ungeheuer vermindern wird. Ich habe — ich wiederhole es — diesen Eindruck auch auf dem eben abgelaufenen Kongreß gehabt. Ich häbe einen Standpunkt zu vertreten die Ehre gehabt, der vielleicht nicht die Sympathien des Auditoriums hatte, ich sprach gegen die Gleichheit der Rasse — ich werde wieder Widerspruch hervorrufen — ich sprach sogar von dem ungeheuren Kulturwerte der jüdischen Rasse. Trotz alledem hatte ich in einer niditjüdischen Versammlung den uneingeschränkten Beifall der gesamten Versammlung. Es ist möglich, die Widerstände zu verringern, es ist möglich, die eigene Kraft zu erhöhen, es ist möglich, die Gegensätze innerhalb der Judenheit, ohne daß wir das geringste von unserem Standpunkte aufgeben, zu einer Tat zu vereinigen. Es ist.das möglich, wenn wir in die Tiefe eindringen wollen, wenn wir wirklich an dem theoretischen Unterbau unserer Idee arbeiten wollen. Es gibt