Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 57)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 100% known words query
- IRI
…/3476254-3476274--3602-3479744- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 57 — begabte Persönlichkeit in unserer Mitte hätten — diesem einen Manne die Verantwortung für die politische Arbeit des A. C. zu überlassen. Denn glücklicherweise hat sich unser Arbeitsgebiet derartig vergrößert, daß es die physischen Kräfte eines Mannes übersteigen würde, die politische Tätigkeit des A. C. allein zu leiten. Wir haben nicht nur die Aufgabe, die Mächte der Erde über unsere Bewegung aufzuklären, sondern wir haben auch eine sehr erhebliche und umfassende Tätigkeit in der Türkei und in Palästina zu leiten. (Unruhe.) Vizepräsident Stand: Ich bitte um Ruhe. Wollen Sie doch den Redner anhören; ich bitte, nicht zu stören, und bitte die Ordner, ihres Amtes zu wralten. Del. Dr. Hantke (fortfahrend): Selbstverständlich wird es immer eine unserer wichtigsten Arbeiten bleiben, die Großmächte über unsere Ziele aufzuklären. Die Judenfrage ist keine innerjüdische Angelegenheit, sondern eine Frage des allgemeinen Lebens. Sie kann daher nur unter Einwirkung auf alle Machtfaktoren der Kulturwelt gelöst werden. Wir wissen leider nur zu gut, daß nicht nur unsere Arbeit in der Diaspora, sondern sogar unsere Arbeit in Palästina bis zu einem gewissen Grade von dem Wohlwollen derjenigen Völker abhängig ist, unter denen wir leben. Und so müssen wir denn die öffentliche Meinung für uns zu interessieren suchen, zum mindesten, damit sie unsere Pläne nicht stört. Aber der wichtigste Bestandteil unserer politischen Tätigkeit ist die Arbeit in Palästina selbst, und da weise ich auf einen Fehler in unserer Systematik, wenn ich es so nennen darf, hin. Wir haben uns seit 1903 gewöhnt, von politischer und praktischer Arbeit als von Gegensätzen zu sprechen, und diese Art von Unterscheidung ist auch historisch verständlich. Denn ursprünglich verstand man ja bei uns unter Politik nur den verhältnismäßig kleinen Abschnitt der diplomatischen Arbeit. Diese Unterscheidung ist aber von ganz verhängnisvollen Folgen geworden; denn sie hat die klare Einsicht in den Zusammenhang unserer Arbeit und insbesondere in die Tatsache verhindert, daß gerade unsere Tätigkeit in Palästina den wichtigsten Teil unserer politischen Aufgaben bildet. Wenn wir in Palästina Bankgeschäfte treiben, wenn wir Land kaufen, wenn wir Schulen gründen, kulturelle Institutionen unterstützen, oder was wir sonst in Palästina tun, alles das ist politische Tätigkeit, und gerade die alierwichtigste politische Tätigkeit, wie Ihnen ja die Beispiele aller Staaten zeigen, wenn Sie deren Politik in den Kolonien oder sonst wo 'auf der Erde verfolgen. Diese Erkenntnis ist auch insofern von Wichtigkeit, als wir in den ersten Jahren unserer Bewegung alle unter dem Druck gestanden haben, daß die wichtige politische Arbeit ausschließlich Sache des E. A. NC. sein kann. Das ist falsch. Wenn wir für den Nationalfonds sammeln, wenn wir irgendeine Tätigkeit ausüben, bei der jeder einzelne Zionist mitarbeiten kann, so kann jeder einzelne von dem Bewußtsein getragen sein, daß er hiermit an der politischen Arbeit des E. A. C. mitwirkt. Wir "müssen die Sammeltätigkeit unter den richtigen Gesichtspunkt stellen, daß alle diese Arbeit Politik ist; dann wird Arbeitsfreude auch unter die einfachen Männer in unseren Reihen kommen, welche nicht anders mithelfen können. (Sehr richtig!) Auch unsere Arbeit in Palästina wird erst dann richtig gewürdigt werden. Denn wenn wir einsehen, daß praktische Arbeit in Palästina Palästina-Politik ist, dann werden wir auch klar erkennen, daß sie auch nur auf Grund eines systematischen Plans geleistet werden kann. Wir können einen ganz kleinen Fehler machen, weil wir kein festes Prinzip haben und es können die schlimmsten Folgen daraus für unsere Politik entstehen. Es kommt dadurch eine Verwirrung in unsere Reihen, weil man nicht mehr weiß, ob sich das E. A. C. vom Zufalle oder von einem