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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 55

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 55 (sequence 55)
Language
German, English, Hebrew
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— 55 — Wir sehen, daß das A. C. sehr lebhaft sich dessen bewußt ist, daß es eine große Aufgabe ist, das türkische Volk aufzuklären. Ich möchte es hier betonen und es jedem einzelnen von Euch einprägen, daß jeder Einzelne von Euch es wisse und ,es zur heiligen Aufgabe der Leitung machen soll, alles Mögliche zu tun, um den Zionismus im türkischen Volke richtig darzustellen. Das ist momentan die vitalste Frage des Zionismus. (Lebhafte Zustimmung.) Herr Dr. Nord au hat heute wundervoll die Juden charakterisiert, die gegen uns arbeiten. Ich will deshalb darüber kein weiteres Wort verlieren; aber eins soll von dieser Tribüne gesagt werden, daß nicht die Alliance als solche es ist, <die bei der Türkei gegen uns ankämpft, sondern, daß das gegenwärtige Regime Reinach- Bigart gegen Wunsch und Wissen der Majorität der Mitglieder der Alliance uns bei der Türkei verleumdet. (Zustimmung.) Geehrter Kongreß! Die Aufklärung der Türkei über das Wesen des Zionismus ist die nächste Aufgabe der zukünftigen Leitung der Bewegung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ueber die Arbeit in Palästina hier zu sprechen, ist nicht so sehr notwendig, da wir wissen, daß da soviel als möglich oder beinahe soviel als möglich geschieht. Aber einen Punkt möchte ich hier berühren, nicht etwa, um einen Funken in die Versammlung zu werfen, sondern damit wir ein reines Gewissen haben. Es ist klar, und Herr Böhm hat nur alltägliche Wahrheiten hier wiederholt, wenn er sagte, daß wir vor allen Dingen jüdische Kultur in Palästina pflanzen und fördern wollen. Selbstverständlich. Wir müssen aber dafür sorgen, daß diese Kulturpflanzung auch richtig geschieht. Vor kurzer Zeit geschah im Süden Deutschlands etwas, was nicht sehr angenehm war. Die Affäre wird genannt Misrachi-Mossinsohn oder Mossinsohn-Misrachi. (Rufe: Lassen wir das!) Ich bin der Allerletzte, der den Misrachisten, welche diese Szenen gemacht hatten, irgendwie Beifall spenden würde; im Gegenteil, wir bedauern es, daß diese Vorfälle eintraten, aber wir müssen darauf sehen — ich weiß nicht viel, aber ich weiß etwas über das Jaffaer Gymnasium —, daß die Leitung der Organisation dafür sorge, daß das Gymnasium in Jaffa und das zukünftige Gymnasium in Jerusalem und die andern zukünftigen Gymnasien und Hochschulen in Palästina in jüdischem Geiste geleitet werden. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Meine Damen und Herren! Wenn ich heute Bibelkritik lernen will, so gehe ich zu Wellhausen nach Göttingen, aber nicht an das Gymnasium nach Jaffa. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn "ich heute Assyrisch lernen will, so gehe ich zu Delitzsch nach Berlin oder Zimmern nach Leipzig, aber nicht nach Jerusalem und Jaffa. (Erneuter Beifall.) Wenn ich heute die Bibel sezieren will, so gehe ich nach den modernen Universitäten, aber nicht nach Jerusalem und Jaffa. Meine Damen und Herren! In Palästina wollen wir die Bibel echt und echt wissenschaftlich lernen. Und die Bibel echt wissenschaftlich lernen heißt die Bibel jüdisch lernen und die Bibel jüdisch lehren und sie in echt jüdischem Geiste den Kindern und auch den Studenten beibringen. Herr Böhm sprach hier über die Existenzberechtigung des jüdischen Volkes. Welcher Ansicht wir auch seien, welcher Schattierung wir auch angehören, ob Reform- oder orthodoxer Jude, wenn wir das richtige Verständnis für Israel und seine Literatur haben, das richtige Verständnis für Israel und seine Geschichte, so müssen wir uns sagen, daß die Bibel doch die Basis der jüdischen Existenz bleibt, daß wir ohne die Bibel heute nicht ein Volk Israel, sondern Nomaden wären. (Lebh. Beifall und Händeklatschen.) klatschen.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Herr Dr. D a i c h e s . . . (Zwischenrufe) ich bitte um Ruhe, wenn ich spreche. Herr Dr. Daiches! ich

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