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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 54

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 54 (sequence 54)
Language
German, English, Hebrew
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— 54 — Del. Dr. Samuel Daiches: Geehrter Kongreß! Meine Damen und Herren! Heute sind wir nicht zu Anklagen aufgelegt und heute sind wir nicht zum Anklagen hier; daher bedauere ich es, daß Herr Adolf Böhm einen Teil der Rede hier gehalten hat, den er vielleicht heute nicht hätte halten sollen. (Rufe: Sehr richtig!) Meine Damen und Herren! Heute und schon gestern und vorgestern und schon Wochen vorher haben wir gesagt, daß wahrscheinlich der zehnte Kongreß uns endlich die Einigkeit und den Frieden bringen und uns endlich zu positiver Arbeit führen wird. Wir haben genug der Stürme, genug des Kampfes, genug des Vergeudens der Kraft. Jetzt wollen wir uns zusammentun, um weiter positive Arbeit zu leisten. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Wer möchte es nicht sehen, daß eine Jubelstimmung den Kongreß durchzieht. Es ist der zehnte Kongreß und es soll ein Versöhnungskongreß werden. Unsere Weisen sagen, daß es keinen schöneren Tag gab im alten Israel als den 15 Ab und den Tag der Versöhnung. Heute haben wir den 15. Ab und den Tag der Versöhnung zusammen. (Stürmischer andauernder Beifall und Händeklatschen.) Das ist ein schönes Omen. Die Jahreskonferenz in Berlin hat uns den Weg geebnet. Sie hat Beschlüsse gefaßt, die den vollständigen Frieden und die vollständige Einigkeit in unserer Bewegung herstellen müssen. Daher sollen wir keinen Ton der Disharmonie in diesen Kongreß hineinbringen; nur Harmonie und Einigkeit! Einigkeit! Meine Damen und Herren! Hier wurde von Organisationen gesprochen. Es wurden die Ica und andere Organisationen erwähnt. Ich trage Sie, wann hat eine jüdische Organisation einen solchen Bericht zusammenstellen können. Wenn Sie sich nur das Inhaltsverzeichnis dieses Berichtes ansehen, finden Sie darin ein Kibutz Goliuth. Kein Land ist ausgelassen. Das Beste in Israel ist hier vereinigt. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Deswegen wollen wir heute auch Einzelheiten im Berichte und Einzelheiten in der Tätigkeit des A. C. nicht kritisieren. Nur mit zwei Punkten möchte ich mich hier kurz befassen. Der eine Punkt ist der, der in dem Berichte nur zwei Seiten in Anspruch nimmt. Es sind dies die ersten zwei Seiten, überschrieben „Politische Tätigkeit". Diese zwei Seiten sind vielleicht in gewissem Sinne die wichtigsten des Berichtes. Wir haben heute von unserem Präsidenten und von Dr. N o r d a u gehört, wie die Lage in der Türkei ist und hier in diesen zwei Seiten können Sie vieles, gar sehr vieles zwischen den Zeilen lesen. Vor einigen Tagen habe ich Gelegenheit gehabt, während des Rassenkongresses in London mit einem bedeutenden Parlamentarier in Konstantinopel eine längere Unterredung zu haben. Ich werde Ihnen natürlich hier nicht alles sagen können, was er mir mitgeteilt hat; aber ich habe aus seinen Worten entnommen, daß die allerschlimmsten, die allergefährlichsten und die allerbösesten Mißverständnisse über das Wesen des Zionismus unter der Bevölkerung des türkischen Reiches verbreitet werden. Der Zionismus wolle Ländereien, er wolle Mesopotamien der Türkei wegnehmen; Palästina wird eigentlich kaum erwähnt. Es wird höchstens erwähnt als noch ein Land, welches die Zionisten, die so viel Geld haben, den Arabern und den Türken wegnehmen wollen. Als ich dem Herrn auseinandersetzte, daß der Zionismus nur erstrebt, daß eine Anzahl von Juden als türkische Bürger sich in Palästina ansiedeln könne, sagte er, ich weiß es wohl, aber die Volksmassen wollen es nicht wissen, und er fügte hinzu: „wie können Sie verlangen, daß wir dem Zionismus günstig gesinnt sind, wenn viele Eurer eigenen Brüder, wie Herr Fresko und viele Leute der Alliance, alles Mögliche in der Türkei und bei der türkischen Regierung tun, um den Zionismus zu diskreditieren. (Sehr richtig!)

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