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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 51

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 51 (sequence 51)
Language
German, English, Hebrew
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— 51 — gegen den Nationalismus im Zionismus aussprechen usw. Ich will auch hier keine einzelnen Gravamina anführen. Wenn Sie die Dinge verfolgt haben, so kennen Sie sie alle. Zu diesem Auftreten nach außen gehört vor allem auch der Kampf mit der Assimilation. Es ist in diesen Dingen eine ganz merkwürdige Schlangenlinie zu bemerken. Wir haben heute hier die schwersten Ausdrücke gegen die Assimilanten gehört, sie waren richtig und uns aus dem Herzen gesprochen. Wir haben auch in Wien* von offizieller Seite Friedensschalmeien gehört; wir haben sie bei der Oppenheimer-Agitation in Wien gehört: „Nur nicht die Assimilanten angreifen, wir brauchen ihr Geld." Nein, meine Damen und Herren, das ist ein falscher Standpunkt, diesen verurteilen wir. Man hat mir vorgeworfen, ich habe selbst in der Nationalfondsbroschüre den Zionismus verwässert. Es ist aber ein Unterschied, ob man bei Antizionisten für Palästinazwecke Gelder sammelt oder ob man den Zionismus vertritt. Wenn man das letztere tut, so gibt es keinen Frieden mit der Assimilation. Sie ist der einzige, der schwerste Feind, der uns Wunden schlägt, der uns mit den schärfsten Waffen bekämpft. Assimilation ist die Verneinung des Willens zum Judentum, und daher gibt es keinen anderen Feind und keinen, der uns derart geschädigt hat. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Durch dieses Auftreten nach außen, dadurch, daß wir zu einer Partei innerhalb des Judentums geworden sind, anstatt die Führer des Judentums zu sein, ist es gekommen, daß man uns nicht mehr hört. In früheren Zeiten, unter H e r z 1, haben wir furchtbar nach allen Seiten gekämpft, sind wir auf das Gewalttätigste angegriffen worden, aber wenn er sprach, und wenn „Die Welt" sprach, haben alle Leute das Gefühl gehabt, hier spricht das Gewissen des Judentums, und darum waren sie so erregt. Warum sind sie im allgemeinen jetzt so friedlich? Weil wir sie eben in Frieden lassen, weil sie fühlen, daß wir nicht mehr das Gewissen und nicht mehr der Kopf des Judentums sind. Zu diesem Wege, den ich zu schildern versprach, gehört noch eines und zwar die Anforderungen an die einzelnen Zionisten. Man hat, um den Zionismus zu verbreitern, wie ich schon gesagt habe, gegen seine Tiefe gesündigt und ich wiederhole das. Man darf nie vergessen, daß der Zionismus auch, und vor allem eine individual-persönliche Angelegenheit ist, vor allem eine Weltanschauung des Zionisten, und eine Pflicht, eine schwere Pflicht von uns Zionisten ist es, vor allem durch unser Anderssein, nicht durch unser Andersreden und Agitieren auf den Gegner zu wirken. Es ist ganz klar, daß niemals in der Welt, wenn Sie alle großen geistigen Umwälzungen in Betracht ziehen, diese anders vor sich gegangen sind, als daß eine Schar, eine ganz kleine Schar, keine Riesenmerige — denken Sie an die Puritaner, an die Jakobiner, an die protestantische Reformation — also eine kleine Schar von Männern unbedingt und radikal bis zum äußersten waren, daß an ihnen alles zerschellt ist, und daß sich dann die Umwelt zu ihnen hinüberentwickeln mußte, nicht umgekehrt. Nicht wir haben uns anzupassen, nicht wir haben Wasser in unsern Wein zu tun und zu sagen: Wer eine Krone zahlt, ist Zionist, nein, wir haben radikal und unbedingt bis zum äußersten zu sein, und nur durch diese Macht werden wir die Umwälzung zum Zionismus erreichen. (Lebhafter Beifall.) Der Zionismus ist somit eine Anforderung an den einzelnen Zionisten, und man kann sie nicht schwer genug auf die einzelnen Zionisten auflegen und nicht schwer genug auf die Jugend. Man muß Anforderungen stellen und den jungen Leuten sagen: Du bist ein Zionist, der Zionismus ist eine sittliche Anforderung zunächst an Dich selbst. Dagegen lesen wir in der „Welt" aus dem berufensten Munde, daß diejenigen Gruppen von Zionisten, welche eifrig nach innerer zionistischer Konzentration streben, welche den Zionismus zu ihrer lebendigen Weltanschauung machen, auf Nebengeleisen irren, Nebenpfade wandeln und die große Idee nicht mehr 4*

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