Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 50)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 50 — Da ist eine andere Bewegung, es ist die Kulturbewegung. Auch hier habe ich nicht gesehen, daß diese Kulturbewegung mit Herz und Liebe umfaßt worden ist und daß man sich in den Strom dieser Bewegung hineingestürzt hat. Ich beklage es direkt, daß sich eine separate Organisation gründen mußte, die Histadruth, für die Verbreitung der hebräischen Sprache. Unsere Aufgabe war es! Was soll sonst unsere Aufgabe sein, als die Hebräisierung des jüdischen Volkes; diese müssen wir wieder in den Vordergrund stellen, diese Kraft müssen wir wieder für uns in Bewegung setzen — wir brauchen nicht so viel Agitation. Ich komme auf einen Gedanken zurück, den ich vorhin ausgesprochen habe: Diese Dinge, kultureller Zionismus, politischer, nationaler Zionismus, das treibt alles von selbst, ohne Agitation, zu unseren Zielen hin, und es ist gar nicht einmal gut, daß* fortwährend agitiert, daß die Leute haranguiert werden: Du mußt Zionist werden, Du bist ein Assimilant! Wenn Sie nur im allergeringsten Maße Psychologen sind, so müssen Sie sagen, daß diese geistige Revolution, diese Umwälzung zum Zionismus nur auf geistigem Wege erfolgen kann. Das Jst übrigens eine Sache, die ja ein viel, viel bedeutend größerer Mann als ich, Achad H a a m, schon vor Jahren ausgesprochen hat. Wir haben nun die Emigrationsfrage. Ich bin der letzte, der dafür sein würde, daß wir uns um die Emigration kümmern — d. h. als Personen kümmern wir uns darum — aber daß wir als Organisation uns mit der Regelung der Emigration etwa nach Amerika befassen sollen. Aber die Emigrationsfrage, die stärkste soziale Frage, die das heutige Judentum bewegt die die Tagesfrage ist, steht heute vor einer Krise, die mit dem bekannten Worte: „Wohin?" bezeichnet wird und führt zum Zionismus, wie heute so gut von unserm Herrn Präsidenten und von Dr. Nordau ausgeführt wurde. Diese Emigrationsbewegung, die heute eine reale Macht von einer Stärke ist, wie keine andere soziale im Judentum, muß zum Zionismus führen. Wenn unser Kongreß sagen wird, „die Emigrationsfrage ist vor dieser Krise angelangt, wir sagen es der gesamten Judenheit, es gibt keinen andern Ausweg als die Auswanderung nach den vorderasiatischen Ländern, möge man die Frage wie immer drehen," so wird und muß das ganz von selbst zur Zionisierung der Juden führen. Zu dieser Stellung des Zionismus im Judentum, der, wie ich gesagt habe, wieder das Gewissen, der Geist des Judentums werden soll, gehört nun vor allem auch das Auftreten der Bewegung nach außen. Es ist nicht angängig, und ich halte es für verfehlt, daß wir, wie es verschiedentlich geschehen ist und noch geschieht, immerfort über unsere Schwäche jammern; das ist vollkommen abzuweisen. Erstens sind wir nicht schwach. Wir haben weniger Geld als die Ica, die vielleicht zehnmal mehr hat, weniger Menschen, aber wir besitzen die letzte Wahrheit des Judentums, und deshalb sind wir stärker als jede andere Macht im Judentum überhaupt. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Dieses Selbstbewußtsein muß uns erfüllen und dieses Selbstbewußtsein ist es, welches unser Auftreten nach außen bestimmen muß. Keine Arroganz, kein Geschimpfe, nicht einmal auf jene, die uns gar so sehr angreifen, sondern das Bewußtsein, daß wir diese letzte Wahrheit besitzen, die sich durchringen wird, muß uns ruhige Sicherheit und würdiges Auftreten nach außen geben. (Zwischenrufe.) Zwingen Sie mich nicht, auf diese Zwischenrufe zu erwidern. Zu unserm Auftreten nach außen gehört in erster Linie unser Zentralorgan. Dieses ist unser Antlitz nach außen. Unser Präsident kann nicht jeden Tag Enunziationen von sich geben, das wäre lächerlich, er tut es auch nicht, er spricht bei wichtigen Anlässen, damit er gehört werde. Das ist das richtige. Aber unser Zentralorgan, „Die Welt", muß unser Antlitz zeigen, wie wir es uns vorstellen. Sie darf nicht fortwährend allen jenen das Wort geben, weiche den Zionismus verkleinern und verseichten, nicht jenen, die sich