Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 48)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 48 — die am meisten für den Nationalfonds und für Palästina gearbeitet haben, immer die Leute waren, die man heute die Opposition nennt. Also das ist gewiß kein Grund für die Spaltung unter uns. Aber Palästina-Arbeit ist auch nur ein Schlagwort. Es handelt sich immer darum, in welchem Geiste sie geleistet wird, welche Stellung sie in unserer Gesamtarbeit einnimmt und welche Rolle man ihr zuteilt; darüber will ich später, wenn ich unser Programm entwickle, sprechen. Wir, meine Freunde und ich, sagen, dieser offizielle Standpunkt ist berechtigt. Es ist wahr, wir müssen Geld sammeln, wir müssen die Organisation stärken, wir müssen in Palästina arbeiten, aber das ist nicht der ganze Zionismus und das ist nicht der ganz allein richtige Zionismus. Unser Standpunkt ist ein — gestatten Sie vielleicht diesen anmaßenden Ausdruck — höherer. Unser Standpunkt ist prinzipiell ungefähr der folgende. Wir sagen uns: Die Aufgabe des Zionismus ist angesichts der zersetzenden Tendenzen, die heute im Judentum herrschen — im Westen die unaufhaltsame Assimilation, im Osten die unglücklichen depravierenden Verhältnisse und in Palästina die Schwierigkeiten, die ich nicht nennen will — angesichts dieser destruktiven Tendenzen, welche die Zukunft unseres Volkes gefährden, eine ebenso starke Widerstandskraft aufzurichten, den Zionismus. Das ist unser Standpunkt, und daraus geht schon hervor, daß das wichtigste an der zionistischen Bewegung nur sein kann, daß sie eine geistige und eine moralische Macht ist. (Stürm. Beifall und Händeklatschen.) Das ist das Primäre im Zionismus. Es nützt nichts, nur Geld zu sammeln. Wir werden in punkto Geldsammlung niemals mit der I. C. A. konkurrieren können. Es nützt nichts, nur in Palästina zu arbeiten; auch andere arbeiten dort und manche viel mehr als wir. Es handelt sich um den ganzen Geist, der unsere Arbeit bewegt, um den Geist, der gerichtet sein muß auf die Erhaltung und Erneuerung des Judentums. Deshalb ist uns klar, daß die wichtigste Aufgabe für die Führer der Bewegung darin besteht, die Bewegung nicht auf Kosten der Tiefe in die Breite zu dehnen. (Lebh. Beifall.) Denn damit geben wir den Zionismus auf. In dem Momente, wo Sie den Zionismus verseichten und verwässern, sind wir nichts anderes als ein jüdischer Verein, nur daß die Vereinsbeiträge bei uns Schekel heißen und anderswo Mitgliedsbeiträge. Wir verwahren uns jedoch dagegen, daß der Zionismus immer inhalts- und blutleerer gemacht wird, daß man uns herunterdrückt, wie ein Gesinnungsgenosse gesagt hat, zu einer Partei innerhalb des Judentums. Nein, wir müssen vielmehr trachten, den Zionismus so wieder aufzurichten, wie er unter HerzI war, dessen Geist heute heraufbeschworen wurde, daß er wieder ist das Gewissen, das Herz und der Kopf des ganzen Judentums. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Sie werden sagen, das sind schöne Worte, Sie werden vielleicht sagen, das sind Phrasen. (Ruf: Ja!) Der Zwischenruf trifft mich nicht; denn ich kann nachweisen, daß ich seit Jahren im Sinne meines Programms gearbeitet habe und alles, was ich hier vertrete, habe ich in meiner Arbeit befolgt, und ich lasse mir nicht sagen, daß das in meinem Munde nur Phrasen sind. (Lebhafter Beifall. — Zwischenrufe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer (unterbrechend): Ich bitte, sich nicht durch Zwischenrufe stören zu lassen. Del. Adolf Böhm (fortfahrend): Es war nicht meine Absicht; aber ich verlange den Ernst, den ich in die Debatte hineinbringe, auch von den Zuhörern und lasse mich nicht ironisieren.