Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 47)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 47 — hier nicht zur Sprache bringen kann, nur sogenannte Vordergrundkämpfe möglich und schon deshalb müssen sich die Kongreßdebatten auf einer allgemeinen Plattform bewegen, auf der Plattform allgemeiner Ideen, allgemeiner Prinzipien, eines allgemeinen Systems. Wenn ich nach dieser Einleitung versuchen will, ungefähr herauszukristallisieren, welcher Standpunkt von der heutigen, sagen wir, offiziellen Seite festgehalten wird, so finde ich ungefähr den folgenden: Das wichtigste ist, die Organisation zu kräftigen, Gelder zu sammeln und in Palästina zu arbeiten. Alles andere ist von Uebel. Es wird auch behauptet, daß die Intellektuellen sehr schätzenswerte Leute sind, daß sie aber keine praktischen Menschen sind, daß sie leicht zerstören, aber nicht aufbauen können, man müsse sich daher möglichst vor den Intellektuellen hüten. Wenn wir einen Moment diesen Standpunkt akzeptieren und fragen: hat die Leitung tatsächlich nach diesem Standpunkt gehandelt, so kann ich nicht sagen: ja. Selbst nach diesem Standpunkte sehe ich den einen oder den anderen Fehler, der begangen wurde. Wenn wir die Organisation kräftigen und wenn wir recht viel Gelder sammeln wollen, dann ist das erste und wichtigste, die Zusammenfassung der Organisationen recht straff zu machen, dann ist es das wichtigste, einen lebendigen Blutstrorh kreisen zu lassen vom Herzen der Bewegung, vom Sitze der Leitung in die Organisationen und von diesen wieder zurück. (Lebh. Beifall.) Nur so kann man die Organisation festigen und nur so kann man auch Gelder sammeln. Ich muß leider sagen, daß die Erfahrungen, die ich in der westösterreichischen Landsmannschaft gemacht habe, uns bewiesen haben, daß man wenigstens uns gegenüber diesen Standpunkt nicht eingehalten hat. Ich erhebe keinerlei kleinliche Rekriminationen. Ich führe keinen einzelnen Fall an, weii dies mesquin wäre und Ihnen dies alles selbst bekannt ist. Ich kann nur konstatieren, daß ich in den sechs Jahren, die ich die Ehre habe, an leitender Stellung in der westösterreichischen Landsmannschaft zu stehen, keine lebendige Blutwelle aus Köln bekommen habe, daß unsere Organisation nicht gekräftigt wurde, sondern sehr oft Bewegungen, die unsere Organisationen schwächen konnten, begünstigt wurden. Ferner müßte nach diesem Prinzip die Leitung bestrebt gewesen sein, möglichst viele und gute Kräfte heranzuziehen, nicht nur einen Beamtenstand, sondern auch hochintellektuelle Kräfte, die wir im Zionismus haben. Wir haben vielleicht genug Kräfte, soviel wir brauchen, wir müssen sie nur heranziehen. (Lebh. Zustimmung.) Wir müssen diese Kräfte integrieren und da sehe ich, daß sehr viele Intellektuelle die Zentrale verlassen haben und sehr viele durch die Leitung abgestoßen wurden. Wir haben beim Nationalfonds und seinem Vorsitzenden gesehen, wie wunderbar diese Institution aufgeblüht ist, da von oben das System befolgt wird, alle Kräfte heranzuziehen, welcher Meinung sie auch immer in persönlichen Dingen seien, und ich muß sagen, daß der Vorsitzende des Nationalfonds in dieser Richtung ganz einwandfrei gehandelt hat. Er hat auch seine Opponenten herangezogen, alle Anregungen, die ihm zugekommen sind, aufgenommen, und nichts anderes ist die Aufgabe des Organisators der Leitung. Die Palästina-Arbeit: Wenn wir geschichtlich zurücksehen, werden wir finden, daß diejenigen, welche ,mit aller Macht für die praktische Palästina-Arbeit gegen die Widerstände der anderen Seite gekämpft haben, genau dieselben Leute sind, die man heute Opposition nennt. Wir alle waren es, welche die praktische Palästina-Arbeit durchgesetzt haben. (Sehr richtig!) Sie kann daher nicht als ein Kampfmittel gegen uns verwendet werden. Wir sind gewiß für die Palästina-Arbeit und jeder von uns hat für sie gearbeitet. Es ist ganz merkwürdig, wenn man auf Oesterreich, Deutschland und Rußland sieht: dort zeigt sich, daß gerade die Leute,