Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 46)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 46 — werden, sondern, was noch mehr wert ist, daß durch unsere Arbeit dem Lande eine zahlreiche arbeitsame Bevölkerung zugeführt wird, auf deren Treue der ottomanisdie Staat sich in guten und trüben Zeiten blindlings wird verlassen können. (Stürmistihser, lahganh dauernder Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. ßodenheimer: Bevor wir in die Generaldebatte eintreten, möchte ich Ihnen eine allgemein interessierende Mitteilung machen und zwar deshalb, damit sich die einzelnen Landsmannschaften bei der Anberaumung ihrer Sitzungen für heute abend oder morgen früh darauf einrichten. Es findet heute abend um i/29 Uhr ein Lichtbildervortrag für die Vertrauensmänner des Nationalfonds und für jeden Delegierten und alle Gäste, die sich hierfür interessieren, statt von Herrn Dr. Heinrich L o e w e über „Jüdische Volkskraft in Erez Israel". Dieser Vortrag wird von Lichtbildern begleitet sein, bezüglich deren ich speziell darauf aufmerksam mache, daß sie jüdische Kolonien und zwar speziell die des jüdischen Nationalfonds darstellen. Der Vortrag findet im Bernoullianum, Bernoullistraße 60, statt. Im Anschlüsse an diesen Vortrag wird Herr Direktor Hubert Auhagen über die „Kolonisationsmöglichkeiten im vorde'ren Orient" ebenfalls unter Vorführung von Lichtbildern sprechen. Ich erteile nunmehr das Wort dem Delegierten Herrn Adolf Böhm. Del. Adolf Böhm: Hoher Kongreß! Wenn mir der Zufall das Los in den Schoß geworfen hat, der erste Redner in der Debatte zu sein, so möchte ich gleich im Anfang sagen, daß ich wünschen möchte, daß die Debatte, die wir diesmal führen, auf einem höheren Niveau sich bewegen möge, als jene in Hamburg. Sie wissen, daß dort, und zwar von allen Seiten, ein kleinlicher Kampf geführt wurde, und das soll heute nicht so sein. Wenn ich als erster Redner spreche, will ich gleich im Eingange trachten, das Niveau, das ich von allen Seiten angestrebt wünschte, auch selbst einzuhalten. Ich will aus diesem Grunde keine scharfe Kritik üben und meine Rede mehr in prinzipiellen Linien halten. Nicht nur aus dem Grunde allein, sondern auch deshalb, weil Sie wissen, daß die ganze Organisation nach den Stürmen des Hamburger Kongresses die notwendige Einigung in der Berliner Jahreskonferenz gefunden hat. Ich würde es als ein Zerreißen des Friedensprotokolles ansehen, wenn wir hier in der — sagen wir — Hamburger Art gegeneinander loshacken wollten und das wäre auch angesichts der Erklärung nicht angebracht, die unser verehrter Präsident heute abgegeben hat, aus der hervorgeht, daß er seine Gesundheit im Dienste unserer Sache so ziemlich aufgebraucht hat. Aus diesem Grunde werde ich mehr über Prinzipien sprechen und nicht über die Fakten, die wir beklagen. Ich werde mich bemühen, Ihnen in kurzen Worten darzulegen, welches unsere Stellung ist und unter „unsere" verstehe ich ungefähr jene Gruppen, die man gemeiniglich mit einem Worte, das ich nicht billige, „Opposition"' nennt. Ich werde mich bemühen, um mein Prinzip durchzuführen, auch zu sehen, welchen prinzipiellen Standpunkt eigentlich die Gegenseite oder die andere Seite — ich will das Wort „Gegenseite" in Beziehung auf Gesinnungsgenossen nicht anwenden — einnimmt. Wenn wir sehen wollen, um welche prinzipiellen Fragen es sich handelt, welches System heute herrscht, so begegnen wir gleich hier Schwierigkeiten. Wir finden erstens dieses System nirgends so recht ausgesprochen, wir finden zweitens, daß durch die gewissen Schlagworte „praktischer Zionismus", „politischer Zionismus", die ganz inhaltslos und eben nur Schlagworte sind, die Situation vollkommen verwirrt ist. Ferner sind, da man die Vorgänge und Verhandlungen im A. C, die Verhandlungen über die eigentlich wichtigen Fragen hier nicht berühren und Einzelheiten