Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 38)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476274--3583-3479725- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 38 - Hätte ich persönlich anwesend sein können, so hätte ich Ihnen meine Gedanken über einige der Fragen, die uns alle beschäftigen, mündlich mitgeteilt. Gestatten Sie mir, dies jetzt schriftlich zu tun. Ich glaube, daß wir nach wie vor an dem Baseler Programm festhalten müssen. Abgesehen davon, daß niemand an unseren Ernst glauben würde, wenn wir es fallen ließen, haben wir zu einem solchen Wandel weder eine äußere, noch eine innere Veranlassung. Der Kongreß Wird sich mit der Ausgestaltung unserer Organisation befassein, und von selbst wird sich dabei das Hauptinteresse der Einrichtung der Leitung zuwenden. Ich habe immer den Standpunkt vertreten, dem ich auch hier Ausdruck verleihen will: unsere Leitung kann, wenn sie eine kräftige und zielsichere sein soll, nur eine homogene, eine einheitliche, gleichgesinnte sein. Dies ist am besten dadurch zu erreichen, daß der Kongreß den Präsidenten der Bewegung wählt und daß dieser sich nach freiem Ermessen seine Mitarbeiter auswählt. Ich weiß, daß sehr viele diese Lösung weder für möglich, noch für wünschenswert halten, aber ich bin überzeugt, daß die Zukunft mir recht geben wird. Dem Kongreß steht die Aufgabe bevor, unsere Finanzen gründlich zu sanieren. Es wird nötig sein, daß wir unsere Ausgaben einschränken, indem wir aufhören, große Summen für die Unterstützung von Presse-Unternehmungen aufzuwenden, und indem wir ferner das Bureau des Palästinaressorts mit dem Zentralbureau verschmelzen. Andererseits sollen wir aber unsere Einnahmen vermehren. Obgleich ich fürchte, daß die Idee der Besteuerung unserer Institutionen bei der praktischen Durchführung* auf Schwierigkeiten stoßen wird, wäre ich dafür, den Versuch zu machen. Vor allen Dingen sollen wir aber den Sammelapparat des Jüdischen Nationalfonds in den Dienst der Gesamtorganisation stellen, indem bekanntgegeben wird, daß von einem bestimmten Datum an ein gewisser Bruchteil der Nationalfondsspenden für die Zwecke der Organisation bestimmt wird. Jeder Spender wird von vornherein wissen, daß er diesen Bruchteil seiner Spende der zionistischen Organisation geben wird und ich glaube nicht, daß die Opferfreudigkeit dadurch abflauen würde. Eher wird das Gegenteil eintreten! Für Beiträge über einen gewissen Betrag hinaus, z. B. 1000 Fr., könnte man, sofern dieselben für einen bestimmten Zweck gespendet werden, eine Ausnahme machen. Auch mit der Ausgestaltung unserer Institutionen wird sich der Kongreß befassen müssen. Und da muß ich einige sehr ernste Worte sprechen. Wir sollen uns hüten, immer wieder mit kleinen, lebensunfähigen oder schwachen Unternehmungen zu kommen und dafür große Reklame in den Zeitungen und in Versammlungen zu entfalten, wobei entweder nichts oder sehr wenig herauskommt.