Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 26 — Monaten haben sie nichtjüdische Lohnschreiber gegen uns losgelassen, denen sie die Weisung gaben, uns in der nichtjüdischen Presse bei gutgläubigen Lesern anzuschwärzen, die von unseren Bestrebungen gar nichts wissen und ohne Mißtrauen alles hinnehmen, was ein ihnen unverdächtig scheinender Bravo der Feder ihnen über uns aufbindet. Man denunziert uns in Frankreich als Agenten der deutschen Reichsregierung (Heiterkeit), nennt den Zionismus eine tückisch verkappte Fofm des Franzosenhasses (Heiterkeit) und bezeichnet als sein Ziel die Bekämpfung und Vernichtung des politischen und moralischen Einflusses Frankreichs in den Ländern des Islam. (Heiterkeit.) In England verkündet man, die Zionisten seien Britenfeinde und vorgeschobene Posten Deutschlands, dessen Macht sie in der Türkei auf Kosten Englands begründen oder kräftigen wollen. Wer den Zionismus und die Zionisten auch nur ein klein wenig kennt, der lacht ja allerdings über derartige Eseleien (heitere Zustimmung). Aber diese Ammenmärchen sind -eben für Leser bestimmt, die von uns gar nichts wissen, und sie spekulieren dummschlau auf ihre schmerzhaftesten Empfindlichkeiten, auf die Germanophobie der Franzosen, auf das Mißtrauen gegen Deutschland in der englischen Volksseele. Der Banditenstreich, uns als Agenten der deutschen Ausdehnungspolitik zu denunzieren, ist nicht ganz fehlgegangen. Ich habe dafür betrübende Beweise. Diese fabelhafte Torheit ist tatsächlich da und dort geglaubt worden und es ist eine Atmosphäre von Mißtrauen und Vorurteil gegen uns entstanden, die zu zerstreuen uns nicht leicht werden wird. Uns liegt an dem Wohlwollen der öffentlichen Meinung Frankreichs und Englands, und wenn man uns bei ihr verleumdet, so ist uns dies sehr empfindlich. Ans Leben geht es uns aber freilich nicht. Die infamen Denunzianten haben sich denn auch damit nicht begnügt. Sie haben eine Stelle gesucht, wo sie uns tödlich treffen zu können hoffen. Sie haben uns die Klinge ins Herz zu stoßen gesucht. Sie haben sich an die Regierung, die einflußreichen Politiker, die Presse des ottomanischen Reiches herangedrängt und ihnen ihren Verleumdungsgeifer in die Ohren geträufelt. Dort haben sie uns natürlich nicht als Werkzeuge der deutschen Orientpolitik denunziert. Denn einmal hätte man ihnen dort diesen Blödsinn nicht geglaubt und dann hätte es uns nicht genug geschadet. Dort raunten sie, die Zionisten seien heillose Revolutionäre, die sich in die Türkei einschleichen wollten, um sich Palästinas zu bemächtigen, die Fahne des Aufruhrs zu entrollen, die Provinz vom ottomanischen Reiche loszureißen und in Jerusalem die unabhängige Republik oder das Königreich der Juden auszurufen. Das sind die Dinge, die unsere jüdischen Feinde seit Jahr und Tag in der Türkei über uns! verbreiten. Wir sollen eine Gefahr für die Einheit, ja den territorialere Bestand des ottomanisdien Reiches sein. Es ist natürlich genug, daß derartige Öhrenbläsereien