Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 25 — Wege der Ausschließung zu demselben Punkte wie wir: zu Palästina, oder wenigstens zur Türkei. Nun würde es jedem natürlich fühlenden Menschen, er sei Jude oder Nichtjude, selbstverständlich scheinen, daß alle Juden gleichgültig welcher Richtung, wenn sie noch die kleinste Spur von Mitgefühl für ihre leidenden Brüder und von Selbstachtung haben, oder wenn sie überhaupt nur einer menschlichen Regung fähig sind, es sich angelegen sein lassen würden, die Regierung und die Völker des ottomanischen Reiches bei wohlwollender Gesinnung für uns zu erhalten, oder daß sie mindestens alles unterlassen' würden, |was sie gegen die Juden unfreundlich stimmen könnte. Und nun gelangen wir zur empörendsten Tatsache in den heutigen Verhältnissen des jüdischen Volkes: Juden sind es, die mit allen Mitteln der raffiniertesten Lüge, Verleumdung und Angeberei daran arbeiten, die maßgebenden Kreise in der Türkei zur Feindseligkeit gegen uns aufzuhetzen; Juden sind es, die mit teuflischer Emsigkeit beflissen sind, das letzte Land, das noch für die Masseneinwanderung der verfolgten Juden in Betracht kommt, das erste Land, zu dem ihre Sehnsucht die wandernden Juden hinzieht, das eine Land, das durch die Geschichte, die Geographie, die Volkswirtschaft zu ihrer endgültigen Heimstätte vorbestimmt ist, ihnen unzugänglich zu machen. (Sehr richtig! und Pfui-Rufe.) Der Beweggrund, der diese Brunnenvergifter zu ihrem feigen Verrat an ihrem Volke bestimmt, ist ihr fanatischer Haß gegen den Zionismus. Diesen Haß haben wir seit der ersten Stunde der zionistischen Bewegung immer auf unseren Wegen gefunden. Er hat den ersten Zionistenkongreß zu verhindern gesucht. Er hat Herzl einen Schwindler und Industrieritter geschimpft. Er hat öffentlich, und noch viel eifriger privatim, geschandmault, die Gründer der jüdischen Kolonialbank seien Bauernfänger, die den armen unwissenden Ghettojuden 50 Millionen stehlen wollten. Er hat in Deutschland und Oesterreich-Ungarn der Regierung nahegelegt, daß es ihre Pflicht sei, den Zionisten die Staatsbürgerrechte abzuerkennen und sie aus dem Lande zu jagen. Wir fanden diese Kampfesiweise sicher tief verächtlich, aber wir regten uns über sie nicht sehr; auf. Wir sagten uns, daß so elende Angriffe weniger uns als ihren Verübern schaden mußten. Wenn unsere Gegner uns in der jüdischen Presse oder in öffentlichen Versammlungen entgegentreten, denken wir nicht daran, uns zu beklagen. Wir kreuzen dann die Klinge mit ihnen und bestehen sie in offenem Kampfe, den wir unsererseits immer ehrlich führen. Aber diese Fechtgänge vor unparteiischen Richtern, wo Stahl gegen Stahl klingt, passen diesen Strauchrittern nicht. (Heiterkeit und lebhafte Bravorufe.) Sie schneiden dabei zu schlecht ab. Sie haben mehr Vertrauen zu ihrer Methode des nächtlichen Ueberfalls aus dem Hinterhalt mit der Wegelagerermaske vor dem Gesicht und des Dolchstoßes in den Rücken. In den letzten