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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 22

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German, English, Hebrew
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_. 22 haben die größte Mühe, noch irgendwo Einlaß zu erlangen. Man kann sagen, daß die Stätten der Verfolgung für die Juden heute immer mehr zu einem Kerker werden, in den sie eingemauert sind. (Sehr richtig!) Die schamlose Lüge der heutigen Gesittung ertappen wir hier auf irischer Tat. Wie nehmen die Schönredner, die 'Klugschwätzer, die amtlichen, die regierenden noch viel mehr als die privaten, den Mund voll von Fortschritt, von Entwicklung, von Menschenwürde, von Gerechtigkeit! Wie läßt man uns die hochtrabenden, großsprecherischen und wichtigtuenden Worte: soziales Empfinden, Bruderliebe, menschliche Gemeinbürgschaft, hageldicht um die Öhren prasseln! Man hält feierliche Friedenskongresse ab, auf denen man gegen den Krieg deklamiert und zu seiner Verhütung paragraphenreiche Schiedsgerichtsverträge zu Dutzenden abschließt und für die ein großer Menschenfreund einen prächtigen Palast erbauen läßt. Man stiftet mit dem! Aufwand zahlreicher Millionen in allen großen Ländern „Herofunds" zur Belohnung tapferer Taten im Dienste der Menschheit. Man gründet in zahlreichen Großstädten reiche Büchereien zur Verbreitung der Bildung. Sehr schön! Wunderschön! Aber die tugendhaften Regierungen, die mit so edlem Eifer an der Vorbereitung des ewigen Friedens arbeiten, bereiten eingeständig sechs Millionen Menschen den Untergang und niemand außer den Opfern erhebt dagegen seine Stimme, obschon dies doch ein ungleich größeres Verbrechen ist als irgendein Krieg, der noch nie sechs Millionen Menschenleben vernichtet hat. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Man legt die Verwaltung der Herofunds und die Verteilung ihrer Zinsen in die Hände von Behörden, die Judengemetzel begünstigen, wenn sie sie nicht unmittelbar selbst veranstalten. Und in den von den großen Menschenfreunden gegründeten Bibliotheken studieren Wissensdurstige mit leidenschaftlichstem Fleiße die — Ritualmordgeschichten von Irrsinnigen, Schwachköpfen, und Schurken alter und neuer Zeit. (Stürmische Zustimmung.) Wenn man die elenden Heuchler der „Menschlichkeit", des „Fortschritts", der „Gerechtigkeit" anruft, wenn man ihnen die an unseren Brüdern begangenen Greuel zeigt und sie fragt, wie sie dieses Massenverbrechen seelenruhig ..mitansehen können, zucken sie gelangweilt die Achsel und murmeln etwas wie: „In die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten darf man sich nicht einmischen." (Große Bewegung.) Gut gebrüllt, Löwen! Oder gut gesäuselt, gut gelispelt, glattzüngige Gleißner! Gewiß, dies ist das erste und heiligste Gesetz im Völkerverkehr: man muß die Unabhängigkeit jedes souveränen Staates achten, man darf ihm in seine inneren Angelegenheiten nicht dreinreden. Aber dieses Grundgesetz hat doch eine kleine Einschränkung: es gilt nämlich nur, wenn der souveräne Staat stark ist; ist er dagegen schwach,

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