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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 20

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German, English, Hebrew
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— 20 — Ehrgeiz entziehen können, setzen wir uns im ganzen mit geringer Einbuße an Würde und mit wenig wirklichem Schaden hinweg. Aber was sollen wir in den Ländern anfangen, wo jnan amtlich keine Vorurteilslosigkeit uns gegenüber heuchelt, wo man uns nicht die Komödie der gesetzlichen Gleichberechtigung vorspielt? Dort arbeitet man mit der wilden Energie der Mordlust auf unsere vollständige Vernichtung hin. „Diese Brut muß ausgerottet werden!" ist der Leitgedanke, der dort alle Regierungsmaßregeln gegen unsere unglücklichen Brüder bestimmt. Man kennzeichnet die Behandlung, der sie unterworfen werden, gemeinhin mit den Worten, daß man die Juden „entrechten und proletarisieren" will. Diese Ausdrücke sind viel zu schwach. Der Entrechtung wird ein gebildeter Sohn des 20. Jahrhunderts niemals die furchtbare Bedeutung beimessen, die sie in den betreffenden Ländern tatsächlich hat. Die Juden sollen nicht nur keine Staatsbürgerrechte haben, man versagt ihnen auch die Menschenrechte, ja sogar die Rechte, die man selbst dem Tier einräumt und deren Verteidigung aller Orten Tierschutzvereine sich angelegen sein lassen. Der Jude ist vogelfrei. Man darf ihn beschimpfen, mißhandeln, bestehlein, berauben, sogar ermorden, ohne daß es für ihn bei dem Gesetz und bei den Behörden einen Schutz gibt. Wollen sie sich wehren, so wird diese Regung des ursprünglichsten Selbsterhaltungstriebes wie die verwegenste Rebellion bestraft. Der Jude muß sich ergeben plündern lassen, er muß seinen Hals widerstandslos dem Messer der Mörder darbieten. Sind die Verbrecher Beamte, so gibt es gegen sie weder Klage noch Richter. Sind sie Private, so werden sie infolge eines gewissen Automatismus der staatlichen Einrichtungen, die in ihrer bestimmten Weise arbeiten, wenn sie nach dem Betriebsgesetze ihrer eigenen Mechanik in Bewegung gesetzt werden, mitunter verurteilt, doch nur, um alsbald begnadigt zu werden. (Stürmische Zustimmung.) Wenn man an den Juden keine Gewalt verübt, so erpreßt man ihnen wenigstens ein willkürlich bemessenes und nach Belieben erhobenes Lösegeld und unterhält in ihnen mit allen Mitteln der raffiniertesten Verängstigung einen dauernden Zustand des Bangens und Zagens vor den Möglichkeiten der nächsten Stunden, der ihr Hirn und Nervensystem zur großen Genugtuung ihrer Peiniger vollständig zerrüttet. Das ist der wirkliche Sinn des Wortes Entrechtung, das dem Ohr eines ungewamten Gesittungsmenschen nicht mehr gar zu furchtbar klingt. Und ganz ähnlich verhält es sich mit der angeblichen Proletarisierung der jüdischen Massen. Unter Proletarisierung versteht man gemeinhin die Herabdrückung von Einzelnen und Bevölkerungsgruppen in die untere Gesellschaftsklasse, ihre Umwandlung in abhängige Lohnempfänger ohne die wirtschaftliche Sicherheit des folgenden Tages, ihre Ausschließung aus den höheren Berufen und der reicheren Geistesbildung mit ihren inneren

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