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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 19

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German, English, Hebrew
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— 19 — gedrängt zu fühlen, ohne uns selbst zur Aufstellung einer Bilanz unseres bisherigen Wollens und Wirkens und seiner Ergebnisse anzuhalten. Es entspricht der Bedeutung, die wir diesem zehnten Kongreß beimessen, daß wir ihn in denselben Räumen halten wollen, die dem ersten zur Wiege gedient hatten. Wir knüpfen die Folge an den Beginn und bezeugen damit auch äußerlich die Einheitlichkeit unserer Entwicklungen. An diesen Mauern haften für uns heilige Erinnerungen, deren wir bei unserem mühevollen und verantwortungsschweren Werke stets eingedenk sind, die uns auf dem richtigen Wege halten und die uns immer wieder ermutigen, wenn wir uns von Bangen beschleichen lassen wollen. Ich habe erwähnt, daß man diesen zehnten Kongreß allgemein den Jubelkongreß nennt. Wir begehen nicht den etymologischen Irrtum, den Ausdruck „Jubel" in diesem Worte von der lateinischen und deutsch gewordenen Wurzel herzuleiten. Wir wissen sehr gut, daß er von unserem hebräischen „jobal" stammt, das nichts mit jubilare gemein hat. Und wahrlich, zu jubilieren haben wir heute weniger Ursache als zu irgendeiner Zeit seit der Zerstörung des zweiten Tempels. Das jüdische Volk lebt gegenwärtig die düstersten Tage seiner Geschichte in der Zerstreuung. Alle unsere Posten haben uns nur eine Meldung zu erstatten: „Feinde ringsum!*'' Die Pest des Antisemitismus, die überall örtliche endemische Herde hat, überzieht gegenwärtig epidemisch den ganzen Erdkreis. Der Judenhaß, der auch in den kurzen Pausen trügerischer Ruhe nirgendwo völlig erloschen ist, flammt gegenwärtig überall zu heller Lohe empor. Selbst in den Ländern, wo es uns am besten geht, brauchen wir nur das Ohr an den Boden zu legen, um unter der dünnen Oberflächenschicht der amtlichen, gesetzlichen Gleichberechtigung aller Staatsbürger die wilden Wasser der Judenfeindschaft brausen zu hören. Im freiesten Lande der Welt, im Lande der größten sozialen Gerechtigkeit, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, muß der Präsident in Person einem Oberst eine scharfe Rüge erteilen, weil er nach berühmtem Muster einem voll qualifizierten Jüngling die Zulassung zum Offiziersstande mit der ausdrücklichen dreisten Begründung verweigert, daß er Jude sei. Aehnliche Züge könnte ich aus allen anderen Ländern anführen, auch aus jenen, wo Juden Minister und kommandierende Generäle sind. Ich unterlasse es, Uns sage ich mit derartigen Aufzählungen nichts Neues und bei den Nichtjuden möchte ich nicht den Eindruck weichlicher, weibischer Wehleidigkeit hervorrufen, die sorgfältig jeden kleinsten Anlaß zur Beschwerde sammelt und in weinerlichen Klagen über die da und dort erlittenen Kränkungen gewissermaßen selbstquälerisch schwelgt. Ueber die kleinen Nadelstiche, die man uns boshaft, doch verstohlen versetzt, über die moralischen Mißhandlungen, denen wir uns durch stolze Zurückhaltung, durch dauernde Selbstüberwachung, durch Vorsicht in unserem gesellschaftlichen Verhalten und unserem 2*

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